Die Ransomware-Gruppe TheGentlemen hat die Tönnies Group (toennies.de) auf ihrer Darknet-Leak-Seite veröffentlicht. Was bisher bekannt ist und welche Risiken nun bestehen könnten.

Alle Angaben zu einem möglichen Angriff und Datenabfluss beruhen ausschließlich auf dem Eintrag der Täter auf ihrer Leak-Seite sowie auf öffentlich verfügbaren Informationen. Es handelt sich um unbestätigte Behauptungen und redaktionelle Einschätzungen, nicht um gesicherte Fakten. Uns liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine offizielle Stellungnahme der Tönnies Group bzw. der Premium Food Group vor. Sollte das Unternehmen eine Stellungnahme veröffentlichen oder neue belastbare Informationen bekannt werden, wird dieser Artikel umgehend aktualisiert. Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir verlinken bewusst nicht auf die Leak-Seite. Alle Budget- und Umsatzangaben sind Branchenrichtwerte bzw. Schätzungen.
Auf der Leak-Webseite von TheGentlemen wurde am 6./7. Juli 2026 ein neuer Eintrag zur Tönnies Group veröffentlicht. Beobachtungsplattformen wie Ransomware.live dokumentierten den Eintrag am 07.07.2026 und schätzen den mutmaßlichen Angriffszeitpunkt auf den 06.07.2026.
Welche Daten angeblich entwendet wurden oder in welchem Umfang ein möglicher Vorfall stattgefunden haben soll, geht aus dem Eintrag bislang nicht eindeutig hervor. Das passt zum bekannten Muster der Gruppe: Sicherheitsforscher beschreiben die Leak-Seite von TheGentlemen als vergleichsweise wortkarg – häufig ohne Angaben zu Datenmengen und zunächst ohne Beweisdokumente.
Am selben Tag wurden auf der Leak-Seite mehrere weitere Organisationen aus verschiedenen Ländern gelistet, darunter Unternehmen aus Argentinien, Paraguay, Taiwan und Indien. Die Tönnies Group ist damit Teil einer größeren Veröffentlichungswelle der Gruppe. Bislang hat das Unternehmen öffentlich keine Stellungnahme abgegeben.
| Betroffene Domain | toennies.de |
|---|---|
| Gruppe | TheGentlemen (Microsoft: Storm-2697) |
| Eintrag gesichtet | 07.07.2026, ca. 20:31 |
| Kategorie im Eintrag | Agriculture and Food Production |
| Land | Deutschland 🇩🇪 |
| Mutmaßl. Angriffszeitpunkt | ca. 06.07.2026 (Schätzung Ransomware.live) |
| Vom Unternehmen bestätigt | Nein · kein öffentliches Statement |
| Cyberangriff bestätigt | ❌ Nein |
| Datenabfluss bestätigt | ❌ Nein |
Die Tönnies Group mit Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) ist der größte Fleischverarbeiter Deutschlands und zählt zu den führenden der Branche in Europa. Das Familienunternehmen wurde 1971 von den Brüdern Bernd und Clemens Tönnies gegründet und entwickelte sich aus einer kleinen elterlichen Metzgerei in Rheda zu einem international tätigen Lebensmittelkonzern.
Eine Besonderheit: Die Konzernholding firmiert seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr als Tönnies Holding, sondern als Premium Food Group (PFG). Der Markenname Tönnies steht seither ausschließlich für die Geschäftsbereiche der Fleischproduktion (Pork und Beef). Die Täter beziehen sich in ihrem Eintrag auf die „Tönnies Group" und die Domain toennies.de – ob damit der Fleischbereich, einzelne Gesellschaften oder Systeme der gesamten Unternehmensgruppe gemeint sind, ist unklar. Die Konzernstruktur umfasst nach eigenen Angaben über 160 in- und ausländische Gesellschaften.
Für 2023 wies die Gruppe einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden Euro aus, davon etwa 4,2 Milliarden Euro in Deutschland. Die Beschäftigtenzahl wird mit rund 21.000 weltweit angegeben, davon etwa 17.000 in Deutschland. Der Standort Rheda-Wiedenbrück ist einer der größten Schlacht- und Zerlegebetriebe Europas.

| Bereich | Beispielbudget/Jahr |
|---|---|
| Multi-Faktor-Authentifizierung (VPN, RDP, SAP, Mail, Admin, Werksnetze) | 200.000–500.000 € |
| EDR/XDR + 24/7-SOC-Betrieb (21.000 Endpoints, 160+ Standorte) | 3–6 Mio. € |
| Immutable / Air-Gap-Backups + Disaster Recovery Fleisch-ERP | 1,5–3 Mio. € |
| OT-/ICS-Segmentierung Schlachtung, Zerlegung, Kühlkette | 1–2,5 Mio. € |
| Patch- & Schwachstellen-Management (VPN, Firewalls, SAP, Werkssysteme) | 500.000–1,2 Mio. € |
| Identity-Threat-Detection & Privileged Access Management | 600.000–1,5 Mio. € |
| Awareness- & Phishing-Simulationen für 21.000 Beschäftigte | 300.000–800.000 € |
| Incident-Response-Retainer, Cyber-Krisenübungen (KRITIS/NIS-2) | 500.000–1,2 Mio. € |
| NIS-2- & KRITIS-Compliance, Auditierung, ISMS (ISO 27001) | 800.000–2 Mio. € |
| Supply-Chain-Security (Landwirte, Spediteure, Handel, EDI) | 400.000–1 Mio. € |
Hinweis: Alle Budget-Zahlen sind Branchenrichtwerte auf Basis von BSI-, ENISA- und Bitkom-Empfehlungen (5–10 % des IT-Budgets für Security). Ob und in welchem Umfang die Tönnies Group tatsächlich in IT- und Cybersecurity investiert hat, ist öffentlich nicht bekannt – die Rechnung ist eine Benchmark, keine Schuldzuweisung. IT-Security ist kein Kostenfaktor, sondern ein Versicherungsschutz für die Zukunft.
TheGentlemen tauchte Mitte 2025 auf und hat sich innerhalb eines Jahres zu einer der aktivsten Ransomware-Gruppen weltweit entwickelt. Erste Kampagnen dokumentierten Sicherheitsforscher im August 2025; im September 2025 ging die Gruppe mit einer Tor-Leak-Seite und gleich 32 Opfern auf einen Schlag an die Öffentlichkeit. Ihr Markenzeichen: ein Logo mit Zylinder und gezwirbeltem Schnurrbart – in Anspielung auf den gleichnamigen Guy-Ritchie-Film.
| Erstes Auftreten | August 2025, öffentlich sichtbar seit September 2025 |
|---|---|
| Modell | RaaS mit Affiliates, Double Extortion |
| Affiliate-Split | 90 % Affiliate / 10 % Betreiber |
| Microsoft-Tracking | Storm-2697 |
| Opferzahl | 200+ Organisationen in 50+ Ländern (Stand Anfang 2026) |
| Top-Zielbranchen | Fertigung, Bau, Gesundheitswesen, Versicherungen |
| Typischer Einstieg | verwundbare VPN-Gateways, kompromittierte Zugangsdaten, offenes RDP ohne MFA |
| Technik | Go-Ransomware für Windows/Linux/ESXi, XChaCha20 + Curve25519, BYOVD, GPO-Push |
| Verortung | russischsprachiger Raum (GUS-Staaten werden verschont) |
| Besonderheit | aggressive Selbstverbreitung, Antivirus-Abschaltung via verwundbarer Treiber |
In dokumentierten Fällen vergingen zwischen Erstzugriff und Verschlüsselung teils nur wenige Stunden. Analysten vermuten hinter der gepflegten Fassade eine technisch ungewöhnlich reife Operation, die möglicherweise von erfahrenen Akteuren aus dem Umfeld zerschlagener Gruppen wie Conti oder LockBit gegründet wurde.
Fleischverarbeitung ist ein Just-in-Time-Geschäft mit lebenden Tieren, Kühlketten und engen Lieferfenstern. Produktionsausfälle können innerhalb weniger Stunden erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen und lassen sich – anders als in vielen anderen Branchen – kaum durch Lagerbestände abfedern. Für Angreifer entsteht so ein maximaler Zahlungsdruck.
Der bekannteste Präzedenzfall: Im Mai 2021 legte ein Ransomware-Angriff der Gruppe REvil den weltgrößten Fleischkonzern JBS zeitweise lahm – Schlachthöfe in den USA, Kanada und Australien standen still, das Unternehmen zahlte nach eigenen Angaben elf Millionen US-Dollar Lösegeld. Der Fall zeigte, wie schnell ein IT-Vorfall in der Fleischindustrie zu einem realen Versorgungs- und Preisthema werden kann.
Hinzu kommt die regulatorische Dimension: Die Ernährungswirtschaft zählt in Deutschland zu den kritischen Sektoren. Große Lebensmittelproduzenten fallen unter KRITIS-Regelungen bzw. den Anwendungsbereich der NIS-2-Richtlinie – mit entsprechenden Anforderungen an Risikomanagement, Meldewege und Nachweispflichten. Ein bestätigter Vorfall bei einem Unternehmen dieser Größenordnung hätte damit nicht nur zivil- und datenschutzrechtliche, sondern auch aufsichtsrechtliche Relevanz.
Sollte es tatsächlich zu einem Datendiebstahl gekommen sein, könnten bei einem Konzern dieses Zuschnitts – rein hypothetisch – unter anderem folgende Informationen betroffen sein:
Gerade Personaldaten wären hier heikel: Die Belegschaft der Fleischbranche umfasst viele Beschäftigte aus dem europäischen Ausland, deren Ausweis-, Aufenthalts- und Kontodaten in Personalakten typischerweise gebündelt vorliegen – attraktives Material für Identitätsmissbrauch und gezieltes Phishing.
Käme es zu einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten, bestünde nach Art. 33 DSGVO Meldepflicht binnen 72 Stunden an die zuständige Aufsichtsbehörde – für Nordrhein-Westfalen die LDI NRW. Bei hohem Risiko wären nach Art. 34 DSGVO die Betroffenen selbst zu benachrichtigen. Als KRITIS-/NIS-2-Betreiber kämen Meldepflichten gegenüber BSI/BNetzA hinzu (24-Stunden-Erstmeldung, 72-Stunden-Zwischenmeldung, 1-Monats-Abschlussbericht). Für Strafanzeigen ist die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des LKA NRW zuständig.
✅ Die Tönnies Group (toennies.de) wurde auf der Leak-Seite der Ransomware-Gruppe TheGentlemen veröffentlicht.
✅ Die Veröffentlichung stammt von den Angreifern selbst.
❌ Eine offizielle Stellungnahme oder Bestätigung eines erfolgreichen Cyberangriffs liegt bis heute (08.07.2026) öffentlich nicht vor.
❌ Ob tatsächlich Daten entwendet wurden und welche, ist nicht unabhängig bestätigt.
⚠️ Zum aktuellen Zeitpunkt spricht vieles dafür, dass die Listung selbst echt ist – ob den Behauptungen der Täter aber tatsächlich ein erfolgreicher Cyberangriff oder ein Datenabfluss zugrunde liegt, lässt sich derzeit nicht unabhängig bestätigen.
Wenn ein Konzern der Größenordnung von Tönnies auf einer Ransomware-Leak-Seite auftaucht, ist das selbst dann relevant, wenn sich die Behauptungen später als übertrieben herausstellen sollten – allein weil KRITIS-Prozesse, Lieferketten und über 20.000 Beschäftigte betroffen wären. Bis zu einer Bestätigung gilt: Vorsicht ja, Panik nein – und maximale Wachsamkeit gegenüber allem, was sich auf Tönnies, PFG, Bestellungen oder angebliche Datenlecks beruft.
Zuletzt aktualisiert: . Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald neue verifizierbare Informationen oder eine offizielle Stellungnahme vorliegen.
Ob in Erkelenz, Wegberg, Wassenberg, Hückelhoven, Aachen, Mönchengladbach, Geilenkirchen, Jülich, Düren oder Krefeld – Ransomware-Angriffe wie der mutmaßliche TheGentlemen-Vorfall treffen Industrie, Lebensmittelproduzenten und KRITIS-Betriebe deutschlandweit. Wasacon unterstützt Unternehmen im Kreis Heinsberg und im Rheinland mit Schwachstellenanalyse, EDR/XDR, Backup-Strategie und Incident-Response nach NIS-2-Standard.
Weitere Wasacon-Analysen zu aktuellen Ransomware-Fällen deutscher Unternehmen und Einrichtungen.
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Risiko-Level: Mittel · Multiplikator: 1.2×
Richtwerte auf Basis von BSI/NIST/ENISA-Branchenbenchmarks. Keine verbindliche Empfehlung.
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