Wenn ein IT-Dienstleister ins Visier gerät, endet das Risiko selten beim Dienstleister. Die Domain comtri.de ist auf der Leak-Seite von LockBit5 aufgetaucht – ein erfolgreicher Angriff ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Die ComTRI GmbH (comtri.de) ist auf der Leak-Seite der Ransomware-Gruppe LockBit5 erschienen. Solche Veröffentlichungen erfolgen häufig nach einem mutmaßlichen Cyberangriff, wenn Angreifer behaupten, Unternehmensdaten erbeutet zu haben.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine offizielle Bestätigung des Unternehmens. Der Eintrag stellt zunächst eine Behauptung der Täter dar – brisant ist er dennoch: Mit LockBit meldet sich eine der berüchtigtsten Ransomware-Marken zurück (laut US-Justiz > 2.500 Opfer in > 120 Ländern, ≥ 500 Mio $ Lösegeld), und getroffen hätte es diesmal ein IT-Systemhaus – also genau die Art Dienstleister mit weitreichenden Zugriffsrechten auf die Systeme zahlreicher Kunden.
Basierend auf Ø 38 Tagen zwischen mutmaßlichem Angriff (01.07.2026) und Publikation auf der LockBit5-Leak-Seite. Zielwert: 08.08.2026 00:00 UTC.
Reine Visualisierung. Der Zeitpunkt einer möglichen Veröffentlichung ist von der Erpressungsdynamik abhängig und nicht garantiert. Keine reale Angriffs- oder Command & Control-Umgebung.
Auf der Darknet-Leak-Seite von LockBit5 wurde ein neuer Eintrag veröffentlicht, der sich auf die Domain comtri.de bezieht. Die Beobachtungsplattform ransomware.live indexierte den Eintrag am 11.07.2026; als geschätztes Angriffsdatum wird dort der 01.07.2026 genannt. Zwischen mutmaßlicher Kompromittierung und Veröffentlichung vergehen bei LockBit5 im Schnitt rund 38 Tage – ein etwaiger Angriff könnte also bereits Wochen zurückliegen.
In der Erfassung wird ComTRI als „führendes IT-Systemhaus im Raum Stuttgart" beschrieben. Konkrete Datenproben, ein Beweis-Set oder ein sichtbarer Countdown lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren – ebenso wenig, ob überhaupt Daten entwendet wurden oder lediglich mit einer Veröffentlichung gedroht wird.
Wichtig zur Einordnung: Alle Angaben rund um solche Leak-Einträge stammen aus der Sphäre der Täter oder aus automatisierten Systemen und sind entsprechend vorsichtig zu bewerten. Fest steht bislang nur, dass der Eintrag existiert.
Die ComTRI GmbH ist ein mittelständisches IT-Systemhaus mit Standorten in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart und Villingen-Schwenningen. Nach öffentlich einsehbaren Registerdaten ist die Gesellschaft in ihrer heutigen Form seit 2006 eingetragen (Amtsgericht Stuttgart, HRB 223718); die Wurzeln reichen unter dem früheren Namen „TRICOM GmbH Computer und Organisation für den Mittelstand" weiter zurück. Registerdaten deuten zudem auf eine Unternehmensgruppe mit mehreren Gesellschaften hin, u. a. AG Freiburg HRB 724348.
Das Unternehmen positioniert sich als IT-Komplettanbieter für den Mittelstand: Managed IT Services und Support, Server- und Netzwerkadministration, Microsoft-Infrastrukturen, IT-Sicherheits- und Datenschutzlösungen, Backup und Storage, Cloud und Virtualisierung, Firewall-Management und Fernwartung, Druck- und Dokumentenmanagement als Kyocera-Partner sowie das eigene ERP unipps® für mittelständische Fertigungsunternehmen und Variantenfertiger.
Konkrete Umsatz- und Mitarbeiterzahlen veröffentlicht ComTRI nicht; die Angaben stammen aus öffentlichen Firmen- und Registerauskünften. Entscheidend für die Risikobewertung ist bei einem IT-Dienstleister ohnehin weniger die eigene Größe als die Zahl und Sensibilität der betreuten Kundenumgebungen.
Ein einziger erfolgreicher Einbruch beim Dienstleister kann Zugänge zu vielen Kundennetzen freilegen – exakt die Rechnung, mit der Ransomware-Gruppen wie LockBit5 kalkulieren.
Für Cyberkriminelle gilt eine einfache Rechnung: Ein erfolgreicher Angriff auf einen IT-Dienstleister kann den Zugang zu dutzenden oder sogar hunderten Unternehmen ermöglichen. Anstatt jedes Unternehmen einzeln anzugreifen, genügt ein einziger Einbruch – die neuralgischen Zugänge sitzen alle beim Dienstleister:
Wie groß der Hebel solcher Supply-Chain-Angriffe sein kann, hat der Kaseya-Vorfall vom Juli 2021 gezeigt: Über eine einzige kompromittierte Fernwartungssoftware wurden nach Schätzungen bis zu 1.500 Unternehmen weltweit in Mitleidenschaft gezogen – die meisten davon Kunden von Kunden, die mit dem eigentlichen Angriffsziel nie direkt zu tun hatten.
LockBit zählt zu den langlebigsten und erfolgreichsten Ransomware-Operationen überhaupt. 2019 unter dem Namen „ABCD" gestartet, etablierte die Gruppe ab 2020 ein Ransomware-as-a-Service-Modell mit Leak-Seite und Double Extortion und dominierte über Jahre die weltweiten Opferstatistiken. Nach Angaben des US-Justizministeriums: > 2.500 Opfer in mindestens 120 Ländern, mindestens 500 Mio $ Lösegeld. Im Februar 2024 gelang mit der „Operation Cronos" ein spektakulärer Schlag gegen die Infrastruktur; im Mai 2024 wurde der mutmaßliche Kopf Dmitry Khoroshev („LockBitSupp") in den USA angeklagt (Kopfgeld bis zu 10 Mio $).
Doch die Zerschlagung war nicht das Ende: Im September 2025 tauchte LockBit 5.0 (intern „ChuongDong") auf, seit dem 5. November 2025 läuft eine neue Leak-Seite. Die Variante zielt auf Windows, Linux, VMware ESXi und Proxmox, verbreitet sich domänenweit über Gruppenrichtlinien und PsExec und bringt Anti-Recovery-Mechanismen mit.
Angriffsablauf LockBit5
Phishing, ungepatchte Edge-Devices, Initial Access Broker.
AD-Recon, Domain-Trust-Missbrauch, RDP-Pivot.
Exfiltration über verschlüsselte Tunnel, Rclone, Cloud-APIs.
LockBit5-Locker, Schattenkopien gelöscht, ESXi-Hosts inklusive.
Listing auf Leak-Portal, Countdown, Erpressung.
Allgemeines TTP-Muster moderner Ransomware-Operationen 2026 – kein bestätigter Ablauf des konkreten Vorfalls.
Der Fall passt in ein Lagebild, das sich mit Zahlen klar belegen lässt. Nach der aktuellen Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2025 entstand der deutschen Wirtschaft binnen zwölf Monaten ein Rekordschaden von rund 289 Mrd €. 87 % der befragten Unternehmen waren betroffen, gut ein Drittel berichtete konkret von Ransomware-Angriffen.
LockBit5 · Live Statistik · ransomware.live
Datenbasis: öffentlich einsehbare Darknet-Leak-Seite, indexiert von ransomware.live .
Deutschland steht mit 18 gelisteten Opfern aktuell auf Platz 4 der LockBit5-Zielländer.
Manufacturing und Business Services liegen vorn – Construction (Bauwesen) erreicht inzwischen Top 6 weltweit.
LockBit5 Victim Wall · 311 Listings
311 Opfer-Einträge auf der LockBit5-Leak-Seite (Stand 20.06.2026). Mit der Maus über eine Kachel fahren: Domain, Land und Discovery-Datum erscheinen als Overlay. Deutsche Opfer rot, PROBAT Bau AG (probat.ag) hell pulsierend.
Datenbasis: öffentlich aggregierte Listings auf ransomware.live (Snapshot 20.06.2026). Wasacon hostet keine Leak-Inhalte; angezeigt werden ausschließlich Domain-Bezeichner und Discovery-Metadaten.
Opferrolle 2026 · Januar – Juni · LockBit5
Monats-Aufschlüsselung aller im Snapshot vom 20.06.2026 enthaltenen Listings mit Discovery-Datum 2026. Hover/Tap auf eine Kachel → Domain, Land und Datum.
Quelle: ransomware.live/group/lockbit5 · Discovery = Zeitpunkt, zu dem der Eintrag auf der Leak-Seite erstmals beobachtet wurde · Attack est. = von der Gruppe selbst behauptetes Angriffsdatum.
Opferwand Deutschland · LockBit5
Vollständige Übersicht aller auf der LockBit5-Leak-Seite gelisteten Unternehmen mit Sitz oder Tochterfirma in Deutschland. Stand 20.06.2026.
Logos: Clearbit Logo API · Quelle der Opferliste: ransomware.live/group/lockbit5. Branchenangaben sind redaktionelle Einordnung. Keine Aussage zur Echtheit der Leak-Behauptungen.
Moderne Erpressungsgruppen setzen auf Double Extortion: erst Daten kopieren, dann verschlüsseln – zahlt ein Unternehmen nicht, wandert der Name auf die Leak-Seite. Gruppen wie LockBit verfolgen typischerweise ein mehrstufiges Vorgehen: Eindringen, Rechteausweitung, Sammeln und Exfiltrieren von Daten, Erpressung, Veröffentlichung – und zunehmend zusätzliche Druckmittel gegen Kunden und Partner der Opfer.
Ein Eintrag ohne Datenbeweise kann dabei verschiedenes bedeuten: ein frühes Druckmittel in laufenden Verhandlungen, eine Ankündigung späterer Veröffentlichungen oder eine unbelegte Behauptung. Nicht jede Listung mündet in einem tatsächlichen Datenleck.
Ansprechpartner, Verträge, Angebote, Projektunterlagen, Abrechnungen und technische Dokumentationen – bei einem Systemhaus die wertvollsten Informationen überhaupt: Netzpläne, Serverlisten, IP-Adressen, Firewall-Regeln, VPN-Konfigurationen.
Besonders kritisch wären Domain-Admin-Konten, Remote-Management- und VPN-Zugänge, Passwortmanager, API-Schlüssel und Zertifikate. Mit solchen Informationen ließe sich der Zugriff auf Kundennetze unter Umständen direkt fortsetzen.
Viele IT-Dienstleister verwalten auch Backup-Systeme, Replikationen und Wiederherstellungsprozesse ihrer Kunden. Diese Systeme versuchen Ransomware-Gruppen häufig zuerst zu kompromittieren, um Opfern die Wiederherstellung ohne Lösegeld abzuschneiden.
Da ComTRI mit unipps® ein eigenes ERP für Fertigungsunternehmen betreut, käme im Falle eines Datenabflusses eine weitere Dimension hinzu: ERP-Systeme enthalten typischerweise Stücklisten, Kalkulationen, Einkaufskonditionen und Kundenaufträge.
Ob solche Daten tatsächlich entwendet wurden, ist derzeit nicht bestätigt.
Viele mittelständische Unternehmen verlassen sich vollständig auf ihren externen IT-Dienstleister – häufig ohne eigene IT-Abteilung und ohne interne Sicherheitsüberwachung. Genau diese Konstellation macht den Fall relevant: Wird der Dienstleister kompromittiert, fehlt beim Kunden oft jede Möglichkeit, einen Missbrauch der Zugänge überhaupt zu bemerken.
Kunden von ComTRI sollten daher besonders prüfen: ungewöhnliche Admin- Anmeldungen und neue Benutzerkonten, Änderungen an Firewall-Regeln, VPN- und Fernwartungszugriffe, Microsoft-365-Anmeldeprotokolle, Backup-Logs und Backup-Integrität sowie Meldungen der Endpoint-Sicherheitslösungen.
Unabhängig davon, ob Kunden unmittelbar betroffen sind, empfiehlt sich aus Vorsicht folgende Reihenfolge:
Zahlungsaufforderungen und angeblich geänderte Bankverbindungen sollten – wie nach jedem mutmaßlichen Datenabfluss – grundsätzlich telefonisch über bekannte Nummern verifiziert werden.
Zum Zeitpunkt dieses Beitrags liegt lediglich ein Eintrag auf der Leak-Seite von LockBit5 vor. Ob tatsächlich Daten entwendet wurden, welche Daten betroffen sind oder ob Kunden unmittelbar betroffen sind, lässt sich derzeit nicht unabhängig verifizieren. Eine Stellungnahme der ComTRI GmbH liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Dennoch gilt: Gerade bei IT-Dienstleistern sollte ein solcher Vorfall sehr ernst genommen werden, da sie eine zentrale Rolle in der IT-Infrastruktur zahlreicher Unternehmen einnehmen.
Ein Cyberangriff auf ein IT-Systemhaus betrifft selten nur ein einzelnes Unternehmen. IT-Dienstleister verwalten kritische Systeme, Administratorzugänge und Sicherheitsinfrastrukturen ihrer Kunden – und stehen genau deshalb seit Jahren im Fokus professioneller Ransomware-Gruppen. Dass mit LockBit5 ausgerechnet die Nachfolge-Operation der einst weltgrößten Ransomware-Marke den Eintrag veröffentlicht hat, unterstreicht die Professionalität der Gegenseite.
Ob Kunden der ComTRI GmbH tatsächlich betroffen sind, ist derzeit offen. Dennoch sollten betreute Unternehmen den Vorfall zum Anlass nehmen, ihre Zugänge, Protokolle und Sicherheitsmaßnahmen sorgfältig zu überprüfen. In der Cybersicherheit entscheidet oft nicht nur der eigene Schutz – sondern auch die Sicherheit aller Partner innerhalb der Lieferkette.
Sollte eine Stellungnahme veröffentlicht werden oder neue Informationen bekannt werden, wird dieser Beitrag entsprechend ergänzt.
Wasacon prüft aus Kundensicht, welche Zugänge Ihr Systemhaus in Ihre Umgebung hat, ob MFA, EDR/XDR, Backup-Härtung und Netz-Segmentierung greifen und wie schnell Sie einen kompromittierten Dienstleister erkennen könnten.
Quellen: Eintrag auf der LockBit5-Leak-Seite, indexiert durch ransomware.live (Stand 11./12.07.2026); Handelsregisterdaten laut öffentlichen Registerauskünften (AG Stuttgart HRB 223718, AG Freiburg HRB 724348, North Data, Implisense); Unternehmensangaben laut comtri.de und Brancheneinträgen; Gruppenprofil LockBit/LockBit5 laut US-Justizministerium, ransomware.live, MOXFIVE, Trend Micro und The Cyber Express; Lagezahlen laut Bitkom „Wirtschaftsschutz 2025".
Diese Beiträge zeigen, wie systematisch Dienstleister und Systemhäuser aktuell ins Visier geraten.
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Wie viel sollte Ihr Unternehmen jährlich in IT investieren?
Risiko-Level: Mittel · Multiplikator: 1.2×
Richtwerte auf Basis von BSI/NIST/ENISA-Branchenbenchmarks. Keine verbindliche Empfehlung.
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Transparenzhinweis
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie auf Angaben einer Darknet-Leak-Seite. Die dort veröffentlichten Behauptungen konnten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifiziert werden. Die Erwähnung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Cyberangriff oder Datenabfluss stattgefunden hat.
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