CVE-2026-0257 erlaubt Angreifern, sich ein gültig wirkendes VPN-Cookie selbst zu bauen – kein Phishing, kein Password Spraying, kein MFA-Bypass nötig.

Eine neue Lücke in Palo Alto Networks PAN-OS mit der Kennung CVE-2026-0257 erlaubt Angreifern, die Authentifizierung des VPN-Dienstes GlobalProtect zu umgehen. Offiziell ist sie nur „mittel" eingestuft – in der Praxis steht damit die Tür ins Unternehmensnetz offen. CISA hat die Schwachstelle in den Known Exploited Vulnerabilities-Katalog aufgenommen.
Die Schwachstelle sitzt in GlobalProtect, der VPN-Komponente von PAN-OS, und betrifft eine spezielle Funktion namens Authentication Override. Diese Funktion ist gedacht, um bereits einmal authentifizierten Nutzern zukünftige Logins zu erleichtern – über ein verschlüsseltes Cookie, das wie ein VIP-Ausweis fungiert.
Das Problem: Wird dieses Cookie mit demselben Zertifikat verschlüsselt wie der öffentliche HTTPS-Dienst des Portals, kann jeder externe Angreifer den öffentlichen Schlüssel abrufen, ein eigenes Cookie bauen und an den Login-Endpunkt schicken. Das Gateway entschlüsselt es, glaubt der manipulierten Identität – und öffnet das VPN.
Das Gateway prüft, ob ein eingehendes Cookie technisch lesbar ist – aber nicht, ob es echt ausgestellt wurde. Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit. Authentizität braucht eine Signaturprüfung. Genau die fehlt hier.
„Ein Türsteher, der nur prüft, ob ein Ausweis aus Plastik besteht – aber weder Foto noch Namen anschaut. Wenn das Material stimmt, kommt man rein."
Das ist kein zufälliger Bug, sondern ein architektonischer Denkfehler. Und er sitzt genau dort, wo er am meisten weh tut: am Perimeter, einen Schritt vor dem internen Netzwerk.
Besonders kritisch: Konfigurationen mit aktiviertem Authentication Override in Verbindung mit identischen Zertifikaten für Portal und Override-Cookies.
In den GlobalProtect-Logs der beobachteten Wellen tauchten auffällige Client- bzw. Maschinennamen auf. Wer in seinen Logs eine dieser Bezeichnungen findet, sollte sofort eine Incident-Response-Prüfung starten.
Sobald die Authentifizierung umgangen ist, beginnt die laterale Bewegung im internen Netz.
Aktuelles PAN-OS-Sicherheitsupdate auf allen GlobalProtect-Gateways einspielen – ohne Wartungsfenster-Diskussion.
Wenn nicht zwingend nötig: Funktion abschalten. Sie ist die Voraussetzung der Angriffskette.
Niemals dasselbe Zertifikat wie für das öffentliche HTTPS-Portal verwenden – das ist der eigentliche Designfehler.
VPN- und Management-Interfaces nur aus vertrauenswürdigen Netzen erreichbar machen.
GlobalProtect-Logs auf 'GPC client' / 'Descope-G1' und unbekannte Cloud-IPs auditieren.
Verhaltensbasierte Erkennung hinter dem VPN: lateral movement, neue Admin-User, ungewöhnliche Logins.
Wer Sicherheit nur über CVSS-Zahlen steuert, übersieht CVE-2026-0257 fast garantiert. Die Lücke ist offiziell „mittel", in der Praxis aber ein Volltreffer auf den Perimeter: kein Phishing, kein Login, kein MFA-Code – einfach drin.
Genau wie bei der Schwester-Lücke CVE-2026-0300 und dem parallelen Cisco-SD-WAN-Vorfall gilt: Wer Firewall und VPN nicht aktiv überwacht, dem nützt das beste Logo am Gerät wenig.
Aktuelle Wasacon-Analysen zu Firewalls, VPNs und Zero-Day-Lücken am Netzwerkrand.
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Risiko-Level: Mittel · Multiplikator: 1.2×
Richtwerte auf Basis von BSI/NIST/ENISA-Branchenbenchmarks. Keine verbindliche Empfehlung.
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