Am 20. Juli 2026 erschien die LBB Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft mbH aus Isny im Allgäu auf der Leak-Seite der Ransomware-Gruppe SafePay. Was belegt ist, wie SafePay Steuer- und Treuhandkanzleien angreift und welches Sicherheitsbudget für eine Kanzlei realistisch wäre.

Am 20. Juli 2026 erschien die LBB Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft mbH aus Isny im Allgäu auf der Darknet-Leak-Seite der Ransomware-Gruppe SafePay. Öffentliche Ransomware-Tracker führen den Eintrag mit dem Status „unconfirmed".
Was tatsächlich passiert ist, welche Systeme betroffen sind und ob Mandantendaten abgeflossen sind, ist bislang nicht öffentlich belegt. Eine offizielle Stellungnahme der Kanzlei lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Zahlen, Daten, Fakten: Screenshot der SafePay-Leak-Seite mit Eintrag zur LBB Treuhand am 20.07.2026 – Status im öffentlichen Tracker: nicht bestätigt.
| Aussage | Status |
|---|---|
| LBB Treuhand wurde von SafePay gelistet | belegt |
| Listung am 20. Juli 2026 | belegt |
| Status im Ransomware-Tracker | unconfirmed |
| SafePay behauptet Diebstahl interner Dateien | Täterbehauptung |
| Systeme wurden verschlüsselt | nicht öffentlich bestätigt |
| Mandantendaten wurden entwendet | nicht öffentlich bestätigt |
| Lohn- und Gehaltsdaten sind betroffen | nicht bekannt |
| Es existiert eine Lösegeldforderung | wahrscheinlich, nicht bestätigt |
| Ursache (Phishing, VPN, RDP, MFA-Lücke) | nicht bekannt |
Die Erwähnung auf einer Leak-Seite bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Angriff oder ein Datenabfluss stattgefunden hat.
Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaften sind für Ransomware-Gruppen ein besonders lohnendes Ziel. Sie halten in konzentrierter Form Bilanzen, Lohn- und Gehaltsdaten, DATEV-Zugänge, Verträge, Kontoauszüge und Ausweiskopien vieler Mandanten – oft aus verschiedenen Branchen.
Ob im konkreten Fall Daten abgeflossen sind, ist offen. Grundsätzlich verarbeitet eine Steuer- und Treuhandkanzlei folgende Datenarten:
SafePay tauchte Ende 2024 erstmals öffentlich auf und entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer der aktivsten Ransomware-Gruppen mit deutlichem Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Anders als klassische Ransomware-as-a-Service-Netzwerke arbeitet SafePay nach eigener Darstellung ohne großes Partnernetzwerk – ein zentral kontrolliertes Team übernimmt Einbruch, Datenentwendung, Verschlüsselung und Verhandlung selbst.
Für den konkreten Vorfall ist der Angriffsweg unbekannt. Forensische Untersuchungen anderer SafePay-Vorfälle zeigen ein wiederkehrendes Muster:
Bei Kanzleien häufig: Phishing mit gefälschten Rechnungen, kompromittierte VPN-Zugänge, RDP ohne MFA oder ein Passwort-Leak eines Mitarbeitenden.
SafePay sucht Admin-Accounts, Passwort-Manager-Datenbanken und DATEV-Zugänge – oft über gespeicherte Credentials in Browsern und ungepatchte Systeme.
Kartierung von Fileservern, Backups, DATEV-Servern, Mail-Systemen. Legitime Werkzeuge wie RDP, SMB, AnyDesk erzeugen kaum Alarme.
Archive per WinRAR/7-Zip, Transfer per Rclone oder FileZilla zu externen Speichern. Kanzleidaten sind kompakt und wertvoll – der Abfluss dauert oft Stunden, nicht Tage.
AV/EDR abschalten, Log-Systeme leeren, Volumenschattenkopien löschen. Ziel: Wiederherstellung erschweren.
Teilverschlüsselung wichtiger Dateien, Erpresserbrief mit Countdown, Listung auf Leak-Seite als Druckmittel.
Zugriff und Kopie ausgewählter Ordner, ohne Verschlüsselung. Kanzleibetrieb läuft, Datenumfang wird intern geprüft.
Einzelne Fileserver oder Mail-Systeme betroffen. DATEV-Zugang und Kernbetrieb weitgehend erhalten.
Fileserver, Mailsystem, Backup-Server und DATEV-Anbindung betroffen. Mandantenkommunikation und Fristen unter Druck.
SafePay übertreibt Umfang oder Erfolg des Zugriffs. Auch das kommt im Ransomware-Umfeld vor.
Welches Szenario zutrifft, lässt sich derzeit nicht öffentlich bestimmen.
Die realen Kosten sind unbekannt. Eine transparente Szenariorechnung für eine Kanzlei mit 20–35 Beschäftigten zeigt aber, wie schnell ein Vorfall im hohen sechsstelligen Bereich landet:
| Kostenblock | Plausibler Korridor |
|---|---|
| Digitale Forensik & Incident Response | 60.000–120.000 € |
| Neuaufbau Endgeräte, Server, Konten | 50.000–120.000 € |
| Datenschutzprüfung & Meldungen | 20.000–50.000 € |
| Recht, Kammerkommunikation, Mandanteninfo | 20.000–50.000 € |
| Produktivitätsverlust Kanzleibetrieb | 40.000–120.000 € |
| Zwischensumme ohne Lösegeld | 190.000–460.000 € |
Nicht enthalten: entgangene Umsätze, Fristversäumnisse, Kammersanktionen, langfristige Sicherheitsprojekte, eine mögliche Lösegeldzahlung. BSI rät grundsätzlich von Zahlung ab.
Anhaltswerte auf Basis üblicher IT-Kennzahlen für Kanzleien (3–5 % Umsatz für IT, 0,5–0,8 % für Security). Bei besonders sensiblen Datenbeständen ist ein höherer Security-Anteil sinnvoll.
Entscheidend: MFA auf allen Zugängen (DATEV, Mail, VPN, RDP), unveränderbare Backups mit echten Restore-Tests, MDR/EDR-Überwachung und regelmäßige Awareness-Schulungen für alle Beschäftigten.
Bei personenbezogenen Daten mit Risiko: Art. 33 DSGVO verpflichtet zur Meldung an die Aufsichtsbehörde innerhalb 72 Stunden. Bei hohem Risiko sind Betroffene nach Art. 34 DSGVO zusätzlich zu informieren.
Eine SafePay-Listung ist kein Beweis für schlechte IT. Sie ist aber ein Anlass, das Sicherheitsniveau ehrlich zu prüfen: Wie schnell würde ein unbekannter Anmeldeversuch am DATEV-Server oder ein ausgehender Massentransfer auffallen – nach Minuten, nach zwei Tagen oder erst, wenn der Erpresserbrief auf den Bildschirmen liegt?
Konkret heißt das für Kanzleien im deutschsprachigen Raum: strukturierte Zugriffs- und Rechtekonzepte mit MFA, unveränderbare Offsite-Backups mit echten Rücksicherungstests und ein externer IT-Betrieb mit MDR-Überwachung, Patch- und Änderungsmanagement, Logauswertung und geübten Notfallabläufen.
SafePay behauptet einen Vorfall bei der LBB Treuhand. Belegt ist die Listung – nicht der forensische Ablauf. Für Mandanten und Beschäftigte ist der wichtigste Schritt jetzt: Ruhe bewahren, auf offizielle Kommunikation warten und im Zweifel jede Rechnung mit geänderten Bankdaten telefonisch verifizieren.
Stand: 22. Juli 2026. Die Behauptungen zum möglichen Datenabfluss stammen von SafePay und sind nicht unabhängig bestätigt.
Transparenzhinweis
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie auf Angaben einer Darknet-Leak-Seite. Die dort veröffentlichten Behauptungen konnten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifiziert werden. Die Erwähnung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Cyberangriff oder Datenabfluss stattgefunden hat.
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