Seit 2018 aktiv, fünf Aliase, kein Eigen-Code – und trotzdem hunderte kompromittierte Organisationen in Lateinamerika und den USA. Wasacon zerlegt Geofencing, BlotchyQuasar, Caminho/DCRAT, CVE-2024-43451-Weaponisierung, C2-Infrastruktur und die komplette MITRE-ATT&CK-Matrix von BlindEagle.

BlindEagle (APT-C-36 / AguilaCiega / TAG-144 / G0099 / APT-Q-98) ist eine vermutlich aus Lateinamerika operierende Bedrohungsakteur-Gruppe. Seit 2018 verfolgt, betreibt sie eine hybride Spionage- und Cybercrime-Operation und hat hunderte Organisationen in Lateinamerika und den USA kompromittiert. Das Cluster „Red Akodon” überlappt über gemeinsame gecrackte AsyncRAT-Samples, ist aber nicht formal identisch.
Bemerkenswert ist nicht die technische Raffinesse: BlindEagle nutzt fast ausschließlich gecrackte Commodity-RATs und öffentliche File-Sharing-Dienste. Die Disziplin dagegen ist beeindruckend – kulturell präzise Lures auf einzelne kolumbianische Institutionen, Geofencing-Auslieferung, die Nicht-LATAM-Sandboxen blind schaltet, und Weaponisierung neuer Patches innerhalb von Tagen.
Die Lücke zwischen operativer Reife und Werkzeugwahl ist zu groß, um sie allein mit fehlender Fähigkeit zu erklären. Der konsequente Rückgriff auf Off-the-Shelf-RATs und gemietete Crypter könnte Absicht sein: er liefert einen generischen forensischen Fußabdruck, erschwert Profiling – und hält das Tempo oben, das Eigen-Entwicklung bremsen würde.
Öffentlich offengelegt wurde BlindEagle als APT-C-36 am 18. Februar 2019, mit retrospektiv zurückverfolgter Aktivität bis April 2018. Die Herkunft wird als südamerikanisch bewertet – höchstwahrscheinlich Kolumbien oder ein Nachbarland. Indizien: konsistente Arbeitszeiten in UTC-5 und UTC-4, spanische Lures, regionale Infrastruktur und operative Artefakte.
Keine staatliche Attribution ist bestätigt, keine Individuen wurden angeklagt oder öffentlich identifiziert. Dokumentiert sind allerdings zwei Crypter-Autoren unter den Nicknames „Roda” und „Pjoao1578”. Pjoao1578 ist wahrscheinlich ein brasilianischer Entwickler – konsistent mit Kaspersky-Beobachtungen vom August 2024: Variablennamen in Portugiesisch, Nutzung brasilianischer Image-Hoster. Das deutet auf Outsourcing oder Zusammenarbeit mit portugiesischsprachigen Akteuren hin.
Der finanzielle Strang zentriert sich auf Banking-Credential-Diebstahl. Die Gruppe nutzt BlotchyQuasar, eine modifizierte Quasar-RAT-Variante: Sie überwacht Browser-Fenstertitel und aktiviert Keylogging, sobald ein Opfer eines von 20+ kolumbianischen oder ecuadorianischen Banking-Portalen aufruft. Einer der operativen Cluster konzentrierte sich vollständig auf Fake-Portale, die Davivienda, Bancolombia und BBVA nachbauen.
Im Februar 2025 ein operativer Patzer: In einem ihrer GitHub-Repos blieb eine HTML-Datei offen liegen – mit tausenden gestohlenen PII-Einträgen: Benutzernamen, Passwörter, Mail-Credentials und ATM-PINs von Privatpersonen, Unternehmen und Behördenmitarbeitern. Auch die Versicherungsbranche wurde innerhalb dieses Tracks angegriffen. Öffentlich bestätigt sind weder tatsächlich abgehobene Gelder noch Verkäufe der Credentials in Untergrundmärkten – ein offener Punkt für die Bewertung.
Der Spionage-Track zielt auf eine völlig andere Klasse von Institutionen: kolumbianische Justizorgane (Rama Judicial, Fiscalía General), Regierungsministerien (DIAN, Außenministerium, eine Behörde unter dem MCIT), verteidigungsnahe Stellen und – besonders bemerkenswert – die Institutionen rund um Kolumbiens Friedensverhandlungen. Diese Kampagnen liefern RATs mit voller Fernzugriffs-Funktionalität: Dateiexfiltration, Screenshot-Capture, Webcam- und Mikrofon-Zugriff. Das gibt den Operatoren persistente Überwachung hochwertiger Regierungsziele.
Kolumbien ist der überwältigende Primärschwerpunkt – Kaspersky meldete für Mai/Juni 2024 87 % der Opfer in Kolumbien. Sekundärziele: Ecuador, Chile, Panama, Spanien. Ab 2024 zusätzlich spanischsprachige Organisationen in Nordamerika – die Phishing-Lures blieben Spanisch, gerichtet an Mitarbeitende nordamerikanischer Fertigungsfirmen.
BlindEagle deckt öffentlichen und privaten Sektor in Lateinamerika ab – mit klarer Konzentration auf Kolumbien.
Die Stufen-Logik ist konstant, Tools und Dienste rotieren von Kampagne zu Kampagne. Wer eine Stufe bricht, stoppt die ganze Operation.
Spanische Mails imitieren DIAN, Fiscalía, Außenministerium oder Justiz. Im MCIT-Fall (09/2025) ging die Phishing-Mail von einem geteilten internen M365-Postfach an ein anderes internes Postfach – SPF, DKIM und DMARC griffen nie.
Eingebettete Links laufen über URL-Shortener mit Geofencing. Nicht-LATAM-IPs werden auf die echte Behörden-/Banken-Webseite umgeleitet. LATAM-Klicks landen auf Droppern bei duckdns.org, ip-ddns.com, con-ip.com, linkpc.net, publicvm.com, kozow.com oder ydns.eu.
Beispiel: „sostener.vbs” – ein 2–3 MB großes, mit Junk-Daten aufgeblähtes VBScript, dekodiert Base64 und baut zur Laufzeit eine in-memory-PowerShell. Andere Kampagnen nutzen SVG-Anhänge mit eingebettetem JavaScript.
Komponenten kommen vom Internet Archive, paste.ee, Pastebin, GitHub oder brasilianischen Image-Hostern. Payload wird per Steganografie in JPEGs/PNGs versteckt oder mit „BaseStart-”/„-BaseEnd”-Markern aus einem PNG extrahiert.
Ande Loader, HijackLoader, DLL-Sideloading über signierte saubere Binaries; Crypter von „Roda” und „Pjoao1578” (letzterer vermutlich brasilianischer Entwickler). Ab Mai 2025: Caminho-Downloader (BR).
Finale Payload wird per Process Hollowing in signierte Microsoft-Prozesse injiziert – Whitelists und naive EDR-Regeln laufen ins Leere.
Historie: Imminent Monitor (2018–19), njRAT, Remcos, AsyncRAT, LimeRAT, BitRAT, Warzone (ab 2021), BlotchyQuasar (2024, Banking), DCRAT (09/2025, MCIT-Operation).
C2-Traffic über kolumbianische Residential-ISPs (Colombia Movil, Telmex, Tigo), Proton66 (russisches Bulletproof-Hosting) und kommerzielle VPNs (Powerhouse Management, TorGuard, FrootVPN). DCRAT-Kampagne nutzte Discord-CDN.
BlindEagle rotiert durch Commodity- und Crimeware-Markt-Tools – und wechselt zwischen Kampagnen. März 2024: Ande-Loader liefert Remcos und njRAT in RAR/BZ2-Archiven. Dieselbe Untersuchung zeigte den Einsatz von Cryptern der Entwickler „Roda” und „Pjoao1578” – ein Roda-Crypter enthielt einen hardcodierten Server, der zugleich Kampagnen- Komponenten hostete.
Mitte 2024: DLL-Sideloading kommt dazu. In einer Kampagne gegen kolumbianische Justizbehörden enthielt das Archiv eine saubere ausführbare Datei, die per Sideloading die Infektion startete – plus HijackLoader, der die finale Payload entschlüsselt und lädt.
September 2025 (MCIT-Operation): Caminho, ein brasilianischstämmiger Downloader, der ab Mai 2025 in Untergrundmärkten auftauchte. BlindEagle war Early Adopter. Payload wurde aus Base64 dekodiert, per Reflection als .NET-Assembly geladen – am Ende: DCRAT.
Der rote Faden ist nicht ein einzelnes Tool, sondern das Beschaffungsmuster: Kaufen oder cracken, was am Markt ist –statt eigene Tools zu entwickeln.
Kein einzelner RAT – ein Karussell aus Commodity-Familien.
| Zeitraum | Tool / Familie | Kontext |
|---|---|---|
| 2018–2019 | Imminent Monitor | Takedown durch internationale Strafverfolger (2019) |
| ab 2021 | njRAT · Remcos · AsyncRAT | Rotation in spanischsprachigen Kampagnen |
| ab 2021 | LimeRAT · BitRAT · Warzone | Modularer Commodity-Stack |
| ab 2024 | BlotchyQuasar (mod. Quasar) | Banking-Trigger über Fenstertitel, 20+ LATAM-Banken |
| März 2024 | Ande Loader → Remcos/NjRAT | Kampagne gegen NA-Manufacturer, Crypter „Roda”/„Pjoao1578” |
| Mitte 2024 | HijackLoader + DLL-Sideloading | Kampagne gegen kolumbianische Justizbehörden |
| ab Mai 2025 | Caminho (BR-Downloader) | BlindEagle als Early Adopter im Untergrundmarkt |
| September 2025 | DCRAT via Discord-CDN | MCIT-Operation, SVG-Initial-Vector, PNG-Marker |
Wie bei den Loadern committet sich BlindEagle auf kein einziges Provider-Setup. Genutzt wird, was billig, verfügbar und für die jeweilige Operation passend ist.
Der Spillover in andere Regionen ist empirisch: Telemetrie zeigt einen signifikanten Anteil BlindEagle-Aktivität in US-Netzen, konzentriert auf Manufacturing und Financial Services – beides Sektoren, die über Lieferketten tief mit Nordamerika und Europa verflochten sind. Eine kolumbianische Fabrik oder brasilianische Bank, die kompromittiert wird, gefährdet Partner-Credentials, Verträge und IP – unabhängig davon, wo der Headquarter sitzt.
BlindEagle beweist, dass Commodity-Tooling im großen Stil funktioniert: Ohne eigene Malware infizierte die Gruppe tausende Endpunkte, indem sie gecrackte AsyncRAT/Remcos mit Packern wie HeartCrypt, kommerziellen Loadern und kulturell präzisen Lures kombinierte. Das ist nicht neu für BlindEagle – aber dieser Pfad ist für andere Akteure kopierbar. Verteidiger, die „Crimeware”-RATs als Low-Tier abtun, priorisieren falsch.
Patch-to-Weaponization ist eng. BlindEagle integrierte eine CVE-2024-43451-Variante sechs Tage nach Patch (12.11.2024) – mit dem WebDAV-Trigger (Rechtsklick, Einfachklick, Drag oder Löschen einer .url-Datei feuert eine ausgehende Auth-Anfrage), aber nicht zum NTLMv2-Hash-Leak, sondern als Download-Beacon. Das komprimiert das Patch-Fenster für jede neu disclosed Windows-Shell-Lücke von Wochen auf Tage.
Für deutsche Unternehmen wird BlindEagle vor allem dann relevant, wenn LATAM-Niederlassungen, Joint-Ventures oder Lieferanten in Kolumbien, Ecuador, Chile, Panama oder Mexiko bestehen. Genau über diese Standorte können sich Phishing- und Account-Kompromittierungen in DACH-Netze fortpflanzen.
SPF, DKIM, DMARC (p=reject), Sandbox-Detonation für Anhänge und Links – inklusive interner Spear-Phishing-Erkennung (T1534). Im MCIT-Fall blieb genau diese Lücke offen, weil Mails den M365-Tenant nie verließen.
BlindEagle nutzt SVGs mit eingebettetem JavaScript als Initial Vector. AppLocker/WDAC erzwingt: keine Skript-Ausführung aus User-Verzeichnissen, kein direktes Öffnen aktiver SVGs.
Commodity-RATs sind alt, aber gecrypted. Gefragt sind Process-Tree-, Memory- und Process-Hollowing-Heuristiken – nicht Signaturen. Discord-, paste.ee- und Internet-Archive-Downloads als Hinweis priorisieren.
FIDO2 für Mail, Banking, ERP, Cloud. SMS-Codes nicht akzeptieren – Keylogger wie BlotchyQuasar greifen sie sonst zusammen mit den Banking-Credentials ab.
BlindEagle weaponisierte eine CVE-2024-43451-Variante sechs Tage nach Patch. Für Windows-Shell-, WebDAV- und Browser-CVEs gehört das in die SLA.
Wenn ein Sample „leer” detoniert, nicht abhaken: Aus EU/DACH-IPs sieht man dank Geofencing oft die saubere Köderseite. Detonation aus LATAM-Exit-Node oder mit Header-Spoofing einplanen.
Identitäten, Admin-Tier-0 und Mail-Tenants strikt regional segmentieren. Ein gekapertes kolumbianisches Tochter-Postfach darf nicht in DACH-ERP eskalieren.
Phishing-Simulationen auf Spanisch (und Portugiesisch, wenn BR-Bezug besteht) – mit Behörden-, Steuer- und Bank-Themen, nicht generischen EN-Templates.
MITRE G0099, SOCRadar, Check Point Research, Kaspersky, Trend Micro: IoCs (Domains, Caminho-/DCRAT-/BlotchyQuasar-Samples, Proton66-Ranges) kontinuierlich in EDR und SIEM einspielen.
Discord-CDN, Internet Archive und paste.ee gehören in die Egress-Telemetrie. Outbound-Downloads aus User-Sessions hier korrelieren – DCRAT-Auslieferung lief exakt so.
Check Point Research dokumentiert seit November 2024 eine durchgehende Welle gegen kolumbianische Justiz- und Regierungsbehörden. Der Bericht „Blind Eagle: …And Justice for All" (10.03.2025) ist die bislang detaillierteste öffentliche Aufarbeitung der Kampagnen-Infrastruktur – und liefert zugleich ein OPSEC-Eigentor der Gruppe.
Microsoft patchte CVE-2024-43451 am 12.11.2024. Bereits sechs Tage später (18.11.2024) tauchte die erste BlindEagle-Variante auf: präparierte .url-Dateien, die bei Rechtsklick, Drag&Drop, Löschen oder Einfachklick eine WebDAV-Anfrage feuern.
Anders als der Original-Exploit leakt diese Variante keinen NTLMv2-Hash. Sie nutzt HTTP statt SMB – durch das @80 im UNC-Pfad wird der SMB-Versuch übersprungen, die Verbindung läuft direkt mit User-Agent Microsoft-WebDAV-MiniRedir/10.0.19044. Effekt für die Angreifer: ein Download-Beacon, der schon vor dem Klick verrät, dass das Ziel die Datei berührt hat.
.url-Datei (oft als Archiv).csc.exe.| Datum | Kampagne | C2 / IP | Payload-Host |
|---|---|---|---|
| 10.12.2024 | marte | newstaticfreepoint24.ddns-ip[.]net | Bitbucket · facturacioncol/fact |
| 11.12.2024 | saturno | newstaticfreepoint24.ddns-ip[.]net | Bitbucket · facturacioncol/fact |
| 19.12.2024 | PARAISO | newstaticfreepoint24.ddns-ip[.]net | Bitbucket · trabajo12023/proyecto |
| 19.12.2024 | PARAISO2 | 17dic.ydns[.]eu → 181.131.217.244 | Bitbucket · trabajo12023/proyecto |
| 21.–22.01.2025 | socialismo / miami | republicadominica2025.ip-ddns[.]com · elyeso.ip-ddns[.]com | GitHub · Oscarito20222/file |
| 25.02.2025 | diciembre-revival | 21ene.ip-ddns[.]com:30204 | GitHub · Oscarito20222/diciembre |
PARAISO allein infizierte über 1.600 Opfer, in Summe rund 9.000 Infektionen in einer Woche – für einen gezielten APT-Akteur eine außergewöhnlich hohe Trefferquote.
Am 25.02.2025 lud die Gruppe im GitHub-Repo Oscarito20222/file für genau 1 h 27 min eine Datei Ver Datos del Formulario.html hoch und löschte sie wieder. Inhalt: über 8.000 PII-Datensätze aus einer früheren Phishing-Kampagne (März 2024) gegen kolumbianische Banken – inklusive Klartext-Credentials und Card-Daten.
Direkt danach wechselte die Operation auf das Schwester-Repo Oscarito20222/diciembre, das nach zwei Jahren Inaktivität neu „beatmet" wurde – mit frischem Remcos und C2 21ene.ip-ddns[.]com:30204. Die Commit-Timestamps bestätigen durchgängig UTC-5 (Südamerika) – ein hartes Indiz für Kolumbien.
Gruppiert nach Taktik – die komplette beobachtete Technikliste aus aktuellen BlindEagle-Berichten (SOCRadar, MITRE G0099, Kaspersky, Check Point).
| T1583.001 | Acquire Infrastructure: Domains |
| T1583.003 | Acquire Infrastructure: Virtual Private Server |
| T1583.006 | Acquire Infrastructure: Web Services |
| T1586.002 | Compromise Accounts: Email Accounts |
| T1586.003 | Compromise Accounts: Cloud Accounts |
| T1584.005 | Compromise Infrastructure: Botnet |
| T1587.001 | Develop Capabilities: Malware |
| T1588.001 | Obtain Capabilities: Malware |
| T1588.002 | Obtain Capabilities: Tool |
| T1608.001 | Stage Capabilities: Upload Malware |
| T1683.001 | Generate Content: Written Content |
| T1683.002 | Generate Content: Audio-Visual Content |
| T1593 | Search Open Websites/Domains |
| T1566.001 | Phishing: Spearphishing Attachment |
| T1566.002 | Phishing: Spearphishing Link |
| T1133 | External Remote Services |
| T1059.001 | Command & Scripting Interpreter: PowerShell |
| T1059.005 | Command & Scripting Interpreter: Visual Basic |
| T1059.007 | Command & Scripting Interpreter: JavaScript |
| T1047 | Windows Management Instrumentation |
| T1053.005 | Scheduled Task/Job: Scheduled Task |
| T1204.001 | User Execution: Malicious Link |
| T1204.002 | User Execution: Malicious File |
| T1574.001 | Hijack Execution Flow: DLL |
| T1055.012 | Process Injection: Process Hollowing |
| T1480 | Execution Guardrails (Geofencing) |
| T1564.003 | Hide Artifacts: Hidden Window |
| T1036.004 | Masquerading: Masquerade Task or Service |
| T1036.005 | Masquerading: Match Legitimate Name/Location |
| T1027 | Obfuscated Files or Information |
| T1027.003 | Steganography |
| T1027.013 | Encrypted/Encoded File |
| T1027.016 | Junk Code Insertion |
| T1684.001 | Social Engineering: Impersonation |
| T1534 | Internal Spearphishing |
| T1105 | Ingress Tool Transfer |
| T1568 | Dynamic Resolution |
| T1571 | Non-Standard Port |
BlindEagle ist nicht der technisch raffinierteste Akteur in irgendeinem Threat-Intel-Datensatz. Die Gruppe muss es nicht sein. Wirkungsfaktor ist enger geografischer Fokus gepaart mit hoher operativer Disziplin: kulturell präzise Lures, geofencete Auslieferung, konsequente Rotation billiger Commodity-Tools, Infrastruktur, die ausgetauscht wird, bevor sie verbrannt ist.
Der gesamte Lifecycle hängt am Einstieg. Klickt das Ziel nicht, feuert nichts. Kein Zero-Day, keine Eigenentwicklung, kein Custom-Backdoor – jede technische Stufe danach (Dropper, Process Hollowing, RAT) aktiviert sich erst, nachdem ein Mensch dazu gebracht wurde, Anhang oder Link zu öffnen. Damit ist BlindEagle eine Social-Engineering-Operation mit Malware-Backend.
Das Modell ist übertragbar. Lures lassen sich in jede Sprache übersetzen und auf jede Behörden-/Justizstruktur thematisieren. Das Tooling kommt aus denselben Crimeware-Märkten, die jeden Mid-Tier-Akteur beliefern. Die Geofencing-Logik funktioniert für jede Geografie.
Bemerkenswert ist die Lücke zwischen Sammelfähigkeit und sichtbarer Monetarisierung: Banking-Credentials und PII in großem Stil – aber kein öffentlich bestätigter Mittelabfluss, kein Verkauf, keine Ransom. Parallel persistente Spionage gegen Justiz, Staatsanwaltschaften und Friedensverhandlungs-Institutionen. Es bleibt eine analytische Lücke – nicht eine zugeschriebene Feststellung – aber die Kombination lässt die Hypothese offen, dass BlindEagle Interessen jenseits typischer Cyberkriminalität bedient.
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Risiko-Level: Mittel · Multiplikator: 1.2×
Richtwerte auf Basis von BSI/NIST/ENISA-Branchenbenchmarks. Keine verbindliche Empfehlung.
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