Ein unvollständiger Microsoft-Patch öffnet die Tür für Zero-Click-Angriffe. Kein Klick, kein Download, keine Warnung – und der NTLM-Hash ist beim Angreifer.

Microsoft hat im Februar 2026 eine kritische Lücke in der Verarbeitung von Verknüpfungsdateien (LNK) und in der Windows-Shell geschlossen – zumindest dem Anschein nach. Die Schwachstelle war zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv ausgenutzt worden, unter anderem in Angriffen auf Ziele in der Ukraine und in EU-Staaten.
Sicherheitsforscher zeigten anschließend: der Patch ist unvollständig. Während der Pfad zur Remote Code Execution gestopft wurde, blieb eine frühere Phase der Angriffskette weiterhin nutzbar – und führte direkt zu einer neuen, separaten Schwachstelle. Das Resultat ist ein vollwertiger Zero-Click-Angriff: ohne Klick, ohne Download, ohne Warnung.
Patch installiert ≠ Problem gelöst. Diese Lücke beweist es einmal mehr.
Die Lücke betrifft die Art und Weise, wie Windows beim bloßen Anzeigen eines Ordners die Icons enthaltener Dateien lädt. Eine präparierte LNK-Verknüpfung verweist über einen UNC-Pfad auf eine Ressource auf einem externen Server.
Sobald der Explorer den Ordnerinhalt rendert, fragt die zuständige Komponente shell32 das Icon vom Zielserver ab. Windows baut dafür eine SMB-Verbindung auf. Diese Verbindung löst eine automatische NTLM-Authentifizierung aus – der Net-NTLMv2-Hash des angemeldeten Benutzers wird an den Angreifer übertragen.
Folge: Der Hash kann für NTLM-Relay-Angriffe gegen interne Dienste verwendet oder offline gecrackt werden – mit klassischer Hardware in vertretbarer Zeit. Die Trust-Verifikation des Patches greift erst später in der Kette und verhindert die Code-Ausführung – nicht aber den Hash-Diebstahl.
Per E-Mail, Link oder Download ausgeliefert. Wird im Explorer nur angezeigt – nicht geöffnet.
Windows Explorer rendert den Ordner und fragt automatisch das Datei-Icon ab – über eine UNC-Pfad-Referenz.
Der UNC-Pfad zeigt auf den Server des Angreifers. Windows baut ohne Nachfrage eine SMB-Verbindung auf.
Der Server erzwingt eine automatische NTLM-Authentifizierung. Der Net-NTLMv2-Hash wird übertragen.
Der gestohlene Hash wird für NTLM-Relay-Angriffe oder Offline-Cracking genutzt – ohne dass der Nutzer etwas bemerkt.
Klassische Awareness-Konzepte setzen darauf, dass der Nutzer einen Fehler macht: Anhang öffnen, Link klicken, Makro aktivieren. Hier wird genau dieser Faktor eliminiert.
Keine Interaktion erforderlich. Der Angriff startet beim Rendern des Ordners.
Keine ausführbare Datei nötig. Eine LNK-Verknüpfung reicht aus.
Kein Sicherheitsdialog, kein SmartScreen-Hinweis. Der Hash ist bereits weg.
Die Ausnutzung der ursprünglichen Lücke wird der russisch verbundenen Gruppe APT28 zugeschrieben – auch bekannt als Fancy Bear, Forest Blizzard oder Sofacy. Beobachtete Kampagnen richteten sich Ende 2025 schwerpunktmäßig gegen Ziele in der Ukraine und in EU-Staaten.
Das Vorgehen ist typisch für staatlich gestützte Akteure: präparierte LNK-Dateien werden mit weiteren Schwachstellen verkettet, um Sicherheitsfunktionen wie SmartScreen zu umgehen und zusätzlich Code aus DLLs auf entfernten Servern zu laden. Dass Forscher den unvollständigen Patch entdeckt haben, bevor Microsoft im April 2026 eine zweite Korrektur nachschob, ändert nichts an der zentralen Lehre:
Wenn APT-Gruppen den Patch lesen, finden sie das, was übrig geblieben ist – und nutzen es noch am selben Tag.
Gestohlene Hashes erlauben Authentifizierung gegen interne Dienste – ohne Login-Versuch im klassischen Sinn.
Sobald ein Account gekapert ist, können sensible Daten unauffällig abgezogen werden.
NTLM-Relay liefert Domain-Zugänge – die klassische Vorstufe einer großen Verschlüsselungswelle.
Über das gestohlene Konto bewegen sich Angreifer wochenlang unentdeckt durch das Netz.
Der Schaden entsteht nicht im Moment des Angriffs – sondern in den Wochen, in denen er unentdeckt bleibt.
Verdächtige SMB-Verbindungen und ungewöhnliche LSASS-Aktivität in Echtzeit erkennen und blockieren.
Port 445 am Perimeter konsequent filtern. Externe SMB-Ziele haben in einem Unternehmensnetz nichts verloren.
NTLM-Authentifizierung gegenüber externen Zielen unterbinden. SMB-Signing und Channel Binding erzwingen.
Lateraler Bewegung den Weg verstellen. Admin-Tier-Modell und strikte Zonierung umsetzen.
Authentifizierungs- und SMB-Events in einem SIEM korrelieren. Anomalien automatisch eskalieren.
Jede Verbindung explizit verifizieren – auch im internen Netz. Vertrauen ist kein Sicherheitsmodell.
Klassische Schutzmechanismen versagen bei Zero-Click. Ohne EDR/XDR, NTLM-Härtung und ausgehende SMB-Filterung ist dein Netzwerk blind – genau dort, wo der Angreifer anfängt.
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Wie staatlich gestützte Akteure Schwachstellen in Windows, Routern und Office-Anwendungen ausnutzen:
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