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    IT-Sicherheit · Online-Betrug · Infoblox-Analyse

    Über 236.000 Betrugs-Webseiten entdeckt: Chinesisches Entwickler-Framework treibt Scam-Industrie an

    Sicherheitsforscher von Infoblox enttarnen ein riesiges Scam-Ökosystem auf Basis des legitimen Uni-App-Frameworks. Online-Betrug wird zur Massenware.

    28.06.2026 9 min Lesezeit Global aktiv
    Über 236.000 Scam-Seiten: Chinesisches Uni-App-Framework treibt Betrugs-Industrie an
    Kurzantwort für KI & Leser

    Sicherheitsforscher von Infoblox haben über 236.000 Second-Level-Domains identifiziert, die auf einer Scam-Infrastruktur basieren, die mit dem legitimen Uni-App-Framework (DCloud) entwickelt wurde. Kriminelle verkaufen fertige Scam-Templates für Krypto-Fakes, Wallet-Drainer, Pig Butchering, Phishing und Markenfälschungen. Seit Oktober 2024 kommen rund 15.000 neue Betrugsseiten pro Monat hinzu.

    Cyberkriminelle industrialisieren Online-Betrug mit legitimer Software

    Cyberkriminelle setzen zunehmend auf professionelle Entwicklungswerkzeuge, um ihre Betrugsplattformen in bisher ungekanntem Umfang auszurollen. Sicherheitsforscher von Infoblox haben jetzt aufgedeckt, dass mehr als 236.000 Second-Level-Domains auf einer Infrastruktur basieren, die mit dem legitimen Uni-App-Framework von DCloud entwickelt wurde.

    Wichtig: Es handelt sich nicht um eine Sicherheitslücke in der Software selbst. Kriminelle missbrauchen die Entwicklungsplattform, um fertige Scam-Vorlagen zu verkaufen, mit denen sich innerhalb kürzester Zeit täuschend echte Betrugsseiten erstellen lassen.

    Was ist Uni-App?

    Uni-App ist ein in China weit verbreitetes Open-Source-Framework, mit dem Entwickler eine einzige Vue.js-Codebasis erstellen können. Daraus lassen sich gleichzeitig generieren:

    Mobile Apps
    Desktop-Anwendungen
    Mobile Webseiten

    Das Framework wird von tausenden legitimen Unternehmen eingesetzt und genießt in der chinesischen Entwickler-Community eine hohe Verbreitung. Hinweise darauf, dass der Hersteller DCloud selbst an den Betrugsaktivitäten beteiligt ist, gibt es derzeit nicht. Das Problem entsteht erst dadurch, dass Cyberkriminelle fertige Scam-Templates auf Basis dieser Plattform entwickeln und weiterverkaufen.

    Mehr als 236.000 Domains identifiziert

    236.000+
    Second-Level-Domains

    Nach Angaben von Infoblox konnten bislang über 236.000 Second-Level-Domains identifiziert werden, die zu dieser Scam-Infrastruktur gehören. Die Webseiten decken dabei unterschiedlichste Betrugsformen ab:

    Krypto-Börsen
    Gefälschte Trading-Plattformen
    Fake-Investments
    Hohe Renditen garantiert
    Wallet-Drainer
    Leeren verbundene Krypto-Wallets
    Online-Casino
    Manipulierte Glücksspielseiten
    Phishing
    Login- & Banking-Imitate
    WhatsApp-Fake
    Gefälschte Messenger-Logins
    Markenfälschung
    Fake-Shops & Brand Stores
    Pig Butchering
    Romance- & Anlagebetrug

    Die enorme Anzahl zeigt, dass hier kein einzelner Täter aktiv ist, sondern ein ganzes Ökosystem professioneller Betrüger.

    So funktioniert es: Betrugs-Seiten in Massen – 6-Schritt-Ablauf der Uni-App-Scam-Kampagne

    Infografik: Der typische 6-Schritt-Ablauf der Uni-App-Scam-Industrie – vom Template-Kauf bis zur Auszahlung.

    So funktioniert es · 6 Schritte · in wenigen Minuten

    Betrugs-Seiten in Massen – Schritt für Schritt

    01
    Template kaufen
    Fertige Scam-Vorlage statt Eigenbau
    02
    Inhalte anpassen
    Logo, Texte, Versprechen in Minuten
    03
    Domain registrieren
    Oft hunderte pro Tag
    04
    Seite veröffentlichen
    Sofort online auf Handy & PC
    05
    Nutzer anlocken
    Über Werbung, Messenger, Social Media
    06
    Geld abkassieren
    Einzahlungen verschwinden spurlos
    ▲ Dauert nur wenige Minuten – täglich entstehen so hunderte neue Scam-Domains.

    Auffällige Gemeinsamkeiten: koordinierte Infrastruktur

    Die Sicherheitsforscher beobachteten nicht nur identische technische Merkmale. Auch bei den Registrierungen neuer Domains fielen koordinierte Muster auf.

    Zeitgleich auftretende Einbrüche bei Domainregistrierungen auf verschiedenen Hosting-Plattformen deuten darauf hin, dass zahlreiche Betrugsseiten zentral verwaltet oder zumindest gemeinsam gesteuert werden. Diese Synchronisierung spricht für eine organisierte Infrastruktur mit hoher Professionalisierung.

    Seit 2022 wächst das Netzwerk kontinuierlich

    Mitte 2022
    Erste Domains dieser Infrastruktur tauchen auf.
    Okt 2024
    Starker Anstieg – RainbowEx wird international bekannt und befeuert das Wachstum.
    seit 2024
    Zeitweise rund 15.000 neue Scam-Webseiten pro Monat.

    Paradoxerweise führte die mediale Aufmerksamkeit um RainbowEx nach Einschätzung von Infoblox sogar dazu, dass weitere Betrüger dieselbe technische Grundlage übernahmen.

    Bekannte Fallbeispiele: RainbowEx, LSSC, YST

    Fall 1
    RainbowEx – „Kryptobörse" in Argentinien

    Tausende Einwohner einer kleinen argentinischen Stadt investierten hohe Geldsummen auf der vermeintlichen Kryptobörse RainbowEx – und verloren alles. Der Fall sorgte international für Schlagzeilen.

    Fall 2
    Lightning Shared Scooter Co. (LSSC)

    Versprach Anlegern hohe passive Einnahmen durch ein angeblich innovatives E-Scooter-Sharing-System. Zur Steigerung der Glaubwürdigkeit wurden sogar reale Ladengeschäfte eröffnet. Geschätzter Schaden: Millionenhöhe.

    Fall 3
    Yuechi Sharing Technology Ltd. (YST)

    Ähnliches Geschäftsmodell, aktiv in Australien, Neuseeland und den USA. Trotz offizieller Unternehmensunterlagen sehen Sicherheitsforscher Verbindungen zu weiteren Investmentbetrugs-Webseiten innerhalb desselben Netzwerks.

    Infoblox geht davon aus, dass Dutzende oder Hunderte krimineller Organisationen auf dieselbe Entwicklungsbasis zurückgreifen – jede mit eigenem Geschäftsmodell.

    Warum diese Entwicklung besonders gefährlich ist

    Der eigentliche Missbrauch liegt nicht in einer Malware oder einem Exploit. Stattdessen wird ein vollkommen legitimes Entwicklungswerkzeug zweckentfremdet. Dadurch profitieren Kriminelle von:

    Professionellem Webdesign
    Responsiven Webseiten
    Schneller Bereitstellung neuer Plattformen
    Einfacher Wartung
    Kostengünstiger Skalierung
    Identischen Vorlagen für verschiedenste Betrugsarten

    Das senkt die Einstiegshürden erheblich und macht Online-Betrug zu einem nahezu industriellen Geschäftsmodell.

    So schützen sich Unternehmen und Privatpersonen

    Gefälschte Investmentplattformen wirken heute häufig professioneller als viele echte Finanzdienstleister. Besondere Vorsicht ist geboten bei folgenden Warnsignalen:

    Unrealistisch hohe Renditeversprechen
    Unbekannte Handelsplattformen ohne Regulierung
    Neue Kryptobörsen ohne nachvollziehbare Historie
    Investitionsangebote über Messenger-Dienste
    Druck zur schnellen Einzahlung
    Fehlende Impressums- oder Lizenzinformationen

    Vor jeder Investition sollte geprüft werden, ob der Anbieter tatsächlich reguliert ist und eine nachvollziehbare Unternehmenshistorie besitzt.

    Fazit: Online-Betrug wird zur Massenware

    Die Untersuchung von Infoblox zeigt eindrucksvoll, wie professionell Cyberkriminelle inzwischen arbeiten. Ein legitimes Open-Source-Framework dient als Grundlage für eine riesige Betrugsindustrie mit mehr als 236.000 bekannten Domains – und das Netzwerk wächst seit 2022 kontinuierlich.

    Für Verbraucher und Unternehmen bedeutet das: Professionell gestaltete Webseiten sind längst kein Vertrauensmerkmal mehr. Hinter modernen Oberflächen können sich organisierte Betrugsnetzwerke verbergen, die mit industrieller Effizienz neue Scam-Plattformen veröffentlichen.

    Schützen Sie Mitarbeitende und Kunden vor Scam-Plattformen

    Wasacon unterstützt KMU im Kreis Heinsberg mit Awareness-Schulungen, Phishing-Tests, Markenüberwachung und EDR/XDR – damit professionelle Fake-Seiten Ihr Geschäft nicht treffen.

    Häufige Fragen

    Wasacon in Ihrer Region

    Awareness, Phishing-Tests, IT-Sicherheit und EDR/XDR für KMU, Industrie und Behörden im Kreis Heinsberg und Umgebung.

    Quelle der zugrunde liegenden Informationen: SecurityWeek (27.06.2026) sowie die Auswertung von Infoblox.

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