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    Cybersecurity

    Silver Fox weitet seine Angriffswelle aus: Neue AtlasCross-RAT, gefälschte Domains und raffinierte Tarnung

    Ein neuer Malware-Trojaner wird über täuschend echte Software-Webseiten in Asien verbreitet – mit gestohlenen Zertifikaten und speicherresidenter Ausführung.

    31. März 2026 14 min Lesezeit
    Silver Fox AtlasCross RAT – Fake Software-Seiten verbreiten Malware in Asien

    Was hinter der Kampagne steckt

    Silver Fox ist keine neue Erscheinung, aber die Gruppe entwickelt ihr Arsenal erkennbar weiter. Sicherheitsforscher führen die Aktivität einem chinesischsprachigen Cybercrime-Akteur zu, der auch unter anderen Bezeichnungen wie SwimSnake, Void Arachne oder UTG-Q-1000 bekannt ist.

    Besonders auffällig ist, dass die aktuelle Kampagne nicht auf ein einziges Land begrenzt ist: Beobachtungen deuten auf Angriffe gegen Ziele in Japan, Malaysia, den Philippinen, Thailand, Indonesien, Singapur, Indien und weitere Regionen in Asien hin.

    Im Mittelpunkt steht eine neue Malware-Familie namens AtlasCross RAT, die über täuschend echt aussehende Webseiten verteilt wird. Die Angreifer imitieren bekannte Software-Anbieter und verleiten Opfer dazu, manipulierte Installationspakete herunterzuladen.

    Der eigentliche Trick: Vertrauen kapern statt Sicherheitslücken suchen

    Der technische Kern der Kampagne ist eigentlich gar nicht die Malware selbst, sondern der Missbrauch von Vertrauen. Die Angreifer registrieren Domains, die echten Marken täuschend ähnlich sehen:

    app-zoom.com

    imitiert → Zoom

    signal-signal.com

    imitiert → Signal

    www-surfshark.com

    imitiert → Surfshark

    www-teams.com

    imitiert → Microsoft Teams

    telegrtam.com.cn

    imitiert → Telegram

    trezor-trezor.com

    imitiert → Trezor

    Besonders brisant: Der Großteil der bekannten Domains wurde am selben Tag – dem 27. Oktober 2025 – registriert. Das spricht für eine koordinierte, vorbereitete Operation.

    So läuft die Infektion ab

    Die Opfer laden ein ZIP-Archiv von einer gefälschten Webseite herunter. Darin befindet sich ein Installer, der auf den ersten Blick legitim wirkt – tatsächlich enthält er eine trojanisierte Autodesk-Komponente.

    Infektionskette im Detail

    1

    Opfer besucht gefälschte Software-Webseite

    app-zoom.com / signal-signal.com / www-teams.com

    → Download eines ZIP-Archivs

    2

    ZIP enthält trojanisierten Installer

    suf70_launch.exe → startet Installation

    iresetup.exe → wird im TEMP-Ordner abgelegt

    3

    Trojanisierter Loader entschlüsselt Konfiguration

    Loader-Funktionen

    • PE-Loader

    • C2-Config entschlüsseln

    • API-Hashing

    • Shellcode vorbereiten

    Payload-Details

    • Speicher-Ausführung (fileless)

    • Persistenz via Tasks

    • ChaCha20-Verschlüsselung

    • Zufällige Session-Keys

    4

    C2-Kontakt & AtlasCross RAT Installation

    → Shellcode von bifa668[.]com:9899 (TCP)

    → AtlasCross DLL wird im Speicher ausgeführt

    Gefälschte Software → ZIP → Installer → Loader → Speicherbasierte Malware → Volle Systemkontrolle

    👉 Die gesamte Kette läuft automatisiert ab. Die In-Memory-Ausführung erschwert forensische Analyse und Erkennung erheblich.

    Warum AtlasCross RAT gefährlich ist

    AtlasCross RAT ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Fernwartungstrojaner. Laut Hexastrike steckt darin das PowerChell-Framework – eine native C/C++-Umgebung zur Ausführung von PowerShell innerhalb des Malware-Prozesses.

    Dadurch kann die Schadsoftware die .NET-Laufzeitumgebung direkt hosten und wichtige Schutzmechanismen umgehen:

    AMSI (Antimalware Scan Interface)

    ETW (Event Tracing for Windows)

    Constrained Language Mode

    ScriptBlock Logging

    Zusätzlich wird die Kommunikation mit dem C2-Server per ChaCha20 verschlüsselt, wobei für einzelne Pakete zufällige Schlüssel verwendet werden.

    Fähigkeiten der Malware: Mehr als nur Fernzugriff

    Die neuen Funktionen zeigen, wie stark sich Silver Fox von älteren Gh0st-RAT-Abkömmlingen weiterentwickelt hat. AtlasCross RAT unterstützt unter anderem:

    DLL-Injection

    Gezieltes Einschleusen in Prozesse wie WeChat

    RDP-Hijacking

    Übernahme aktiver Remote-Desktop-Sitzungen

    Datei- & Shell-Operationen

    Voller Zugriff auf Dateisystem und Kommandozeile

    Persistenz

    Dauerhafte Verankerung über geplante Aufgaben

    TCP-Kill von Security-Produkten

    Sabotage von 360 Safe, Huorong, Kingsoft, QQ PC Manager

    In-Memory-Ausführung

    Speicherresidente Malware ohne Dateisystem-Spuren

    Bemerkenswert: Statt den oft diskutierten BYOVD-Ansatz zu verwenden, sabotiert die Malware gezielt die Kommunikation bestimmter Schutzprogramme auf Netzwerkebene – ein Zeichen für tiefes Verständnis realer Zielumgebungen.

    Missbrauch gestohlener Zertifikate

    Alle bislang identifizierten Installer trugen offenbar dasselbe gestohlene Extended-Validation-Code-Signing-Zertifikat, das auf eine Firma in Vietnam ausgestellt war. Solche Zertifikate sind in der Angriffsökonomie Gold wert: Signierte Dateien wirken für Nutzer und teilweise auch für Sicherheitssysteme deutlich vertrauenswürdiger.

    Das Zertifikat wurde auch in anderen, nicht direkt zusammenhängenden Malware-Kampagnen beobachtet – ein Hinweis darauf, dass gestohlene EV-Zertifikate inzwischen gehandelt oder wiederverwendet werden.

    Silver Fox verfolgt ein Doppelmodell

    Mehrere Sicherheitsanbieter beschreiben Silver Fox inzwischen als Gruppe mit zwei parallelen Arbeitsweisen. Sekoia beschreibt dieses Muster ausdrücklich als „dual-track model".

    Breit & opportunistisch

    Gefälschte Software-Seiten, Phishing-Wellen, breite Verteilung über populäre Marken.

    Gezielt & strategisch

    Spionage, langfristige Persistenz, tieferer Netzwerkzugriff, gezielte Spear-Phishing-Kampagnen.

    Weitere aktuelle Silver-Fox-Angriffe

    Die jetzt bekannt gewordene AtlasCross-Kampagne steht nicht isoliert da. ESET berichtete zuletzt über eine Spear-Phishing-Welle gegen japanische Unternehmen, bei der Silver Fox mit Themen wie Steuerverstößen, Gehaltsanpassungen und Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen arbeitete.

    Dort kam zwar ValleyRAT statt AtlasCross zum Einsatz, aber das Muster ist ähnlich: glaubwürdige Köder, saubere Social-Engineering-Ansprache, schnelle Nachladung und dauerhafte Kontrolle über kompromittierte Systeme. AtlasCross ist nicht nur „noch ein Trojaner", sondern Teil eines wachsenden, anpassungsfähigen Werkzeugkastens.

    Warum diese Kampagne für Unternehmen so relevant ist

    Die Stärke solcher Angriffe liegt nicht in einer exotischen Zero-Day-Lücke, sondern in der Kombination aus Markenmissbrauch, realistisch wirkender Infrastruktur, signierten Dateien, gestaffelter Malware-Ausführung und Sicherheitsumgehung.

    Viele Organisationen schützen sich gut gegen klassische Exploits, aber deutlich schlechter gegen trojanisierte Software-Downloads, die auf den ersten Blick legitim erscheinen.

    Für Unternehmen in Asien ist die Gefahr aktuell besonders hoch, aber das Vorgehen lässt sich problemlos auf andere Regionen übertragen. Wer Software-Downloads nicht strikt kontrolliert, Benutzer nicht auf typosquattete Domains sensibilisiert und signierte Dateien automatisch vertraut, öffnet solchen Akteuren die Tür.

    Fazit

    Silver Fox zeigt mit AtlasCross RAT, wie moderne Malware-Kampagnen heute funktionieren: nicht laut, sondern glaubwürdig. Statt rohe Gewalt einzusetzen, bauen die Täter eine scheinbar seriöse Welt aus gefälschten Domains, legitim wirkenden Installern und vertrauenswürdiger Signatur auf.

    Der Blick muss stärker auf Downloadquellen, Markenmissbrauch, Zertifikatsmissbrauch und speicherresidente Ausführung gerichtet werden – nicht nur auf bekannte Malware-Signaturen.

    Dazu kommt ein technisch deutlich ausgereifter Trojaner, der Schutzmechanismen umgeht, verschlüsselt kommuniziert und auf langfristigen Zugriff ausgelegt ist. Für Verteidiger bedeutet das: Erkennung muss verhaltensbasiert werden, nicht nur signaturbasiert.

    Wasacon Insight

    Wenn Angreifer das Vertrauen in bekannte Marken, signierte Dateien und offizielle Software-Quellen ausnutzen, versagen traditionelle Schutzmechanismen. Unternehmen müssen Download-Kontrolle, Domain-Monitoring und verhaltensbasierte Erkennung konsequent umsetzen.

    Ist dein Unternehmen gegen Fake-Software-Angriffe geschützt?

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