SAP-Patchday Juni 2026: Drei HotNews-Schwachstellen in SAP NetWeaver (CVSS bis 9.9) und eine kritische Spring-Security-Lücke (CVE-2026-22732) in Commerce Cloud & Data Hub.

Der SAP-Patchday Juni 2026 schließt 15 Schwachstellen, davon vier als HotNews / kritisch eingestuft: CVE-2026-44748 (CVSS 9.9, NetWeaver AS ABAP, XML-/Signatur-Bypass), CVE-2026-27671 (CVSS 9.8, SAP-Kernel RFC, unauth. Memory-Corruption mit RCE-Verdacht), CVE-2026-40128 (CVSS 9.0, NetWeaver AS Java, Path Traversal) und CVE-2026-22732 (CVSS 9.1, Spring Security in Commerce Cloud & Data Hub). Sofort: HotNews-Patches einspielen, privilegierte Accounts auditieren, Security-Audit-Log ans SIEM anbinden, Management-Interfaces aus dem Internet entfernen.
Ereignis
SAP Security Patchday 2026
Hersteller
SAP SE
Kernkomponente
SAP NetWeaver
Priorität
HotNews · Kritisch
Status
Mehrere kritische Lücken
Patch
Verfügbar – sofort einspielen
Quelle: SAP Security Notes / Patchday Juni 2026 · alle vier Lücken sind als HotNews mit CVSS ≥ 9.0 eingestuft.
Komponente
SAP NetWeaver AS ABAP & ABAP Platform
Schwachstellentyp
Signatur-/XML-Verifier-Bypass
Authentifizierte Angreifer mit normalen Rechten können signierte XML-Dokumente manipulieren und am Verifier vorbeischleusen. Folge: gefälschte Identitäten werden akzeptiert, unbefugter Zugriff auf sensible Nutzerdaten, Störung der normalen Systemnutzung.
Komponente
SAP-Kernel · NetWeaver AS ABAP & ABAP Platform
Schwachstellentyp
RFC-Protokollfehler · Memory Corruption (RCE-Verdacht)
Unzureichende Prüfung im RFC-Protokoll des SAP-Kernels. Manipulierte Pakete lösen ohne Authentifizierung Logikfehler in der Speicherverwaltung aus. Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit – kein reines DoS, Schadcode-Ausführung wahrscheinlich.
Komponente
SAP NetWeaver AS Java (Web Container)
Schwachstellentyp
Path Traversal · File Inclusion
Bösartig präparierte HTTP-Login-Anfragen manipulieren Datei-Inklusions-Parameter (Path Traversal). Angreifer können sensible Dateien lesen oder verändern und das System lahmlegen.
Komponente
SAP Commerce Cloud · SAP Data Hub (Spring Security)
Schwachstellentyp
HTTP-Header-Missbrauch
Schwachstelle in Spring Security: Bestimmte HTTP-Header lassen sich missbrauchen. Betrifft mehrere SAP-Produkte, die auf Spring Security aufsetzen.
Zusätzlich behebt SAP weniger schwerwiegende Lücken u. a. in Apache Tomcat (Commerce Cloud), ODP Data Replication APIs, S/4HANA, NetWeaver AS Java JDBC Test Servlet, Wily Introscope Enterprise Manager, MDG, Business Objects BI Platform und Fiori Launchpad. Admins sollten die SAP-Patchday-Übersicht vollständig abarbeiten.
SAP NetWeaver ist nicht irgendeine Software. Für viele Unternehmen bildet es das Fundament ihrer ERP-, HR-, Finanz- und Logistiksysteme. Wenn NetWeaver kompromittiert wird, betrifft das nicht nur eine einzelne Anwendung – sondern potenziell die gesamte digitale Infrastruktur eines Unternehmens.
Angreifer interessieren sich längst nicht mehr nur für Windows-Server oder Office-Dokumente. Moderne Cyberangriffe zielen zunehmend auf ERP-Systeme, Produktionsnetzwerke und geschäftskritische Plattformen ab.
Remote Code Execution (CVE-2026-27671)
RFC-Kernel-Lücke mit CVSS 9.8 – Speicherverwaltungs-Fehler ohne Authentifizierung auslösbar.
Signature/XML-Bypass (CVE-2026-44748)
Verfälschte signierte Identitätsinformationen werden akzeptiert – CVSS 9.9, HotNews.
Path Traversal (CVE-2026-40128)
AS Java Web Container: Datei-Inklusion über manipulierte HTTP-Login-Anfragen, CVSS 9.0.
Spring-Security-Lücke (CVE-2026-22732)
HTTP-Header-Missbrauch in Commerce Cloud & Data Hub – CVSS 9.1.
Frühere Patchdays mussten teilweise Lücken schließen, bei denen kompromittierte Administrator-Konten ausreichten, um komplette SAP-Landschaften zu übernehmen.
Wer SAP kontrolliert, kontrolliert in vielen Unternehmen praktisch alles Geschäftskritische gleichzeitig. Gerade Ransomware-Gruppen haben erkannt: ERP-Systeme sind der „Single Point of Failure". Fällt SAP aus, steht häufig die gesamte Produktion still.
Finanzdaten
Lieferketten
Personaldaten
Produktion
Einkauf & ERP
Kundendaten
Rechnungswesen
Logistik
In der Praxis laufen SAP-Umgebungen oft seit vielen Jahren nahezu unverändert. Systeme wurden erweitert, angepasst und integriert – aber nicht immer konsequent modernisiert. So entstehen gefährliche Kombinationen:
Alte ABAP-Komponenten
Über Jahre gewachsen, kaum dokumentiert, schwer zu patchen.
Legacy-Interfaces
RFC, IDoc, SOAP – oft offen, selten überwacht.
Geteilte Admin-Accounts
Notfall-User mit Vollzugriff, die niemand wirklich kontrolliert.
Fehlende Segmentierung
SAP hängt direkt am Office-Netz, statt streng isoliert zu sein.
Unzureichendes Monitoring
Klassische SOCs haben kaum SAP-Transparenz.
Internet-Exposition
Webportale, VPNs, Fiori-Apps, Dienstleister-Zugänge.
Hinzu kommt: Viele SAP-Systeme sind direkt oder indirekt ans Internet angebunden – etwa über Webportale, VPNs, Fiori-Apps oder externe Dienstleister.
Viele Unternehmen glauben noch immer, SAP-Sicherheit bestehe nur aus monatlichem Patchen. Die Realität sieht anders aus – moderne SAP-Security braucht zusätzlich:
Kontinuierliches Monitoring der SAP-Landschaft
Erkennung verdächtiger RFC-/HTTP-Aktivitäten
Privileged Access Management (PAM) für SAP-Admins
Strikte Segmentierung kritischer Systeme
Security-Audit-Log + SIEM-/XDR-Anbindung
Härtung aller Admin- und Management-Interfaces
MFA für privilegierte und Notfall-Accounts
Regelmäßige Berechtigungsanalysen (SAP-Profile, kritische Rollen)
Besonders problematisch: SAP-Systeme werden häufig von klassischen SOCs kaum überwacht, weil vielen Security-Teams tiefe SAP-Transparenz fehlt.
Mit den neuen Anforderungen aus NIS2 steigt der Druck zusätzlich. Kritische Schwachstellen in ERP-Systemen sind längst kein reines IT-Problem mehr. Geschäftsführer und Verantwortliche können persönlich haftbar gemacht werden, wenn bekannte kritische Sicherheitslücken nicht zeitnah behoben werden. Ungepatchte ERP-Systeme gelten inzwischen als enormes Risiko.
Die eigentliche Frage
Nicht mehr „Wird unser SAP angegriffen?"
Sondern: „Merken wir es überhaupt?"
Viele moderne SAP-Angriffe laufen extrem leise ab – mit legitimen Accounts, gültigen Sessions und internen Berechtigungen. Kompromittierte SAP-Systeme bleiben deshalb teilweise monatelang unentdeckt.
HotNews-Patches priorisieren und im Notfall-Fenster einspielen
Privilegierte SAP-Accounts (SAP*, DDIC, Notfall-User) auditieren
Security-Audit-Log aktivieren und an SIEM/XDR senden
SAP-Management-Interfaces aus dem Internet entfernen
Netzwerksegmentierung zwischen Office, ERP und Backup prüfen
Externes SAP-Security-Audit beauftragen
Die aktuellen kritischen Lücken in SAP NetWeaver sind ein klares Warnsignal: ERP-Systeme stehen längst im direkten Fokus moderner Cyberangriffe. Unternehmen sollten den Patchday als Notfall-Trigger verstehen, nicht als monatliche Pflichtübung.
Wer SAP nicht aktiv überwacht, sieht den Angriff erst, wenn die Produktion bereits steht.
Bevor eine ungepatchte NetWeaver-Lücke zum realen Ransomware-Vorfall wird.
SAP-Security-Audit & Berechtigungsanalyse
Segmentierung & Härtung der ERP-Landschaft
SIEM/XDR-Monitoring inkl. SAP-Audit-Log
Ob in Heinsberg (52525), Erkelenz (41812), Wegberg, Hückelhoven (41836), Wassenberg, Geilenkirchen (52511), Aachen, Mönchengladbach, Jülich, Düren oder Krefeld – Wasacon prüft SAP-Landschaften auf Patch-Stand und Härtung, etabliert SIEM-/XDR-Monitoring inkl. SAP-Audit-Log, segmentiert ERP-Netze und unterstützt bei der NIS2-konformen Dokumentation der SAP-Security-Prozesse.
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