Manipulierte npm-Pakete im SAP-CAP-Ökosystem haben Schadcode direkt in Build-Pipelines geschleust. Was passiert ist – und was Unternehmen jetzt tun müssen.

Angreifer haben Schadcode in npm-Pakete des SAP-CAP-Ökosystems eingeschleust. Über einen preinstall-Hook wurde ein Infostealer nachgeladen, der SSH-Keys, Cloud- und GitHub-Token von Entwicklern und CI/CD-Servern abgriff. Klassische Firewalls helfen hier nicht – Schutz entsteht nur über gehärtete Build-Pipelines, EDR/XDR und konsequentes Zero Trust für Entwicklerumgebungen.
Sicherheitsforscher von Socket und Onapsis haben mehrere kompromittierte npm-Pakete aus dem SAP-CAP-Umfeld dokumentiert – darunter mbt sowie mehrere @cap-js/*-Module. Zusammen kommen die Pakete auf eine sechsstellige Zahl wöchentlicher Downloads. Die Schadversionen waren nach aktuellem Stand nur wenige Stunden online – global aber lange genug, um in Build-Pipelines zu landen.
Wichtig: Es handelt sich um einen Supply-Chain-Angriff auf die npm-Lieferkette, nicht um einen direkten Hack der SAP-Plattform selbst. SAP hat den Vorfall dokumentiert und bereinigte Folgeversionen sind verfügbar.
Es wurde keine Zero-Day-Lücke ausgenutzt. Die Angreifer haben das Vertrauen in die Software-Lieferkette gekapert.
Maintainer-Übernahme
Angreifer kapern Konten legitimer Paket-Pflegender und veröffentlichen kompromittierte Versionen unter bekannten Namen.
preinstall-Hook
Im manipulierten package.json wird beim npm install ein Skript ausgeführt – noch bevor Code geprüft wird.
Nachgeladener Loader
Das Skript zieht eine Bun-Binary plus mehrere MB Payload nach – klassische Scanner sehen nur einen kleinen Wrapper.
Token-Diebstahl
Infostealer greift SSH-Keys, AWS-/GCP-/Azure-/Kubernetes-Credentials sowie GitHub- und npm-Token ab.
Wer Schadcode auf einen Entwickler-Laptop oder einen CI/CD-Runner bringt, sitzt mitten in der Wertschöpfungskette. Tokens haben oft weitreichende Rechte, Build-Server dürfen nach außen reden, und die installierten Pakete landen 1:1 im nächsten Release. Genau hier setzen Angriffe wie dieser an – und reihen sich in eine wachsende Welle ein, die wir auch im Beitrag npm Supply-Chain-Angriff 2026 ausführlich beschrieben haben.
Angriffe auf npm, PyPI und Container-Registries nehmen seit Jahren massiv zu. Der Grund ist simpel: ein erfolgreicher Paket-Hack erreicht zehntausende Systeme gleichzeitig. Diese Strategie ist effizienter als jede klassische Phishing-Kampagne – und genau deshalb verlagern selbst staatlich unterstützte Akteure ihre Kapazitäten in diese Richtung.
Vier Maßnahmen mit der höchsten Hebelwirkung.
SCA & Audit
Lockfiles prüfen, Socket/Snyk/OSV-Scanner gegen alle Abhängigkeiten laufen lassen, betroffene Versionen pinnen.
EDR/XDR auf Devs & Runner
Verhaltensbasierte Erkennung auf Entwickler-Endpoints und Build-Servern – nicht nur auf Office-PCs.
Zero Trust für Entwickler
Kurzlebige Tokens, MFA für npm/GitHub, isolierte Build-Umgebungen, kein Dauer-Login auf Cloud-Konsolen.
Paket-Allowlist
Interne Registry (Verdaccio, Artifactory) mit Allowlist; preinstall/postinstall standardmäßig blockieren.
Lockfiles erzwingen
npm ci statt npm install in CI; Integritäts-Hashes prüfen, pnpm/yarn analog konfigurieren.
Install-Scripts blockieren
npm config set ignore-scripts true; Hooks nur explizit für vertraute Pakete erlauben.
SCA & Allowlist
Socket, Snyk oder OSV-Scanner in jeden PR; private Registry mit Allowlist betreiben.
Build-Hosts isolieren
Runner mit minimalen Rechten, kurzlebige Tokens, Egress-Filter, EDR/XDR aktiv.
Secrets rotieren
Bei Verdacht alle SSH-Keys, Cloud-Credentials und GitHub-Tokens neu ausstellen.
Der Vorfall zeigt schmerzhaft klar: Du wirst 2026 nicht mehr über offene Ports gehackt – sondern über Code, dem du vertraust. Wer keine Kontrolle über seine Abhängigkeiten hat, wer Build-Server wie Office-PCs behandelt und Install-Scripts blind laufen lässt, ist bereits Teil der nächsten Schlagzeile.
Wir prüfen für Unternehmen im Kreis Heinsberg gezielt Entwickler-Workflows, Paketquellen, Build-Pipelines und Cloud-Berechtigungen – und schließen die Lücken, bevor jemand anderes sie nutzt.
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