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    IT-Sicherheit

    SAP infiziert: npm-Lieferkette gehackt – Entwickler im Visier

    Manipulierte npm-Pakete im SAP-CAP-Ökosystem haben Schadcode direkt in Build-Pipelines geschleust. Was passiert ist – und was Unternehmen jetzt tun müssen.

    05.05.2026 7 min Lesezeit
    SAP infiziert – npm Supply-Chain-Angriff
    Kurzantwort

    Angreifer haben Schadcode in npm-Pakete des SAP-CAP-Ökosystems eingeschleust. Über einen preinstall-Hook wurde ein Infostealer nachgeladen, der SSH-Keys, Cloud- und GitHub-Token von Entwicklern und CI/CD-Servern abgriff. Klassische Firewalls helfen hier nicht – Schutz entsteht nur über gehärtete Build-Pipelines, EDR/XDR und konsequentes Zero Trust für Entwicklerumgebungen.

    Was bisher bekannt ist

    Sicherheitsforscher von Socket und Onapsis haben mehrere kompromittierte npm-Pakete aus dem SAP-CAP-Umfeld dokumentiert – darunter mbt sowie mehrere @cap-js/*-Module. Zusammen kommen die Pakete auf eine sechsstellige Zahl wöchentlicher Downloads. Die Schadversionen waren nach aktuellem Stand nur wenige Stunden online – global aber lange genug, um in Build-Pipelines zu landen.

    Wichtig: Es handelt sich um einen Supply-Chain-Angriff auf die npm-Lieferkette, nicht um einen direkten Hack der SAP-Plattform selbst. SAP hat den Vorfall dokumentiert und bereinigte Folgeversionen sind verfügbar.

    Angriff über Vertrauen, nicht über Schwachstellen

    Es wurde keine Zero-Day-Lücke ausgenutzt. Die Angreifer haben das Vertrauen in die Software-Lieferkette gekapert.

    Maintainer-Übernahme

    Angreifer kapern Konten legitimer Paket-Pflegender und veröffentlichen kompromittierte Versionen unter bekannten Namen.

    preinstall-Hook

    Im manipulierten package.json wird beim npm install ein Skript ausgeführt – noch bevor Code geprüft wird.

    Nachgeladener Loader

    Das Skript zieht eine Bun-Binary plus mehrere MB Payload nach – klassische Scanner sehen nur einen kleinen Wrapper.

    Token-Diebstahl

    Infostealer greift SSH-Keys, AWS-/GCP-/Azure-/Kubernetes-Credentials sowie GitHub- und npm-Token ab.

    Ziel: Entwickler & Build-Pipelines

    Wer Schadcode auf einen Entwickler-Laptop oder einen CI/CD-Runner bringt, sitzt mitten in der Wertschöpfungskette. Tokens haben oft weitreichende Rechte, Build-Server dürfen nach außen reden, und die installierten Pakete landen 1:1 im nächsten Release. Genau hier setzen Angriffe wie dieser an – und reihen sich in eine wachsende Welle ein, die wir auch im Beitrag npm Supply-Chain-Angriff 2026 ausführlich beschrieben haben.

    Zugriff auf interne Systeme
    Diebstahl sensibler Daten
    Backdoors in produktiven Anwendungen
    Übernahme von Cloud-Infrastruktur

    Realität 2026: Software ist das Einfallstor

    Angriffe auf npm, PyPI und Container-Registries nehmen seit Jahren massiv zu. Der Grund ist simpel: ein erfolgreicher Paket-Hack erreicht zehntausende Systeme gleichzeitig. Diese Strategie ist effizienter als jede klassische Phishing-Kampagne – und genau deshalb verlagern selbst staatlich unterstützte Akteure ihre Kapazitäten in diese Richtung.

    Was Unternehmen jetzt tun müssen

    Vier Maßnahmen mit der höchsten Hebelwirkung.

    SCA & Audit

    Lockfiles prüfen, Socket/Snyk/OSV-Scanner gegen alle Abhängigkeiten laufen lassen, betroffene Versionen pinnen.

    EDR/XDR auf Devs & Runner

    Verhaltensbasierte Erkennung auf Entwickler-Endpoints und Build-Servern – nicht nur auf Office-PCs.

    Zero Trust für Entwickler

    Kurzlebige Tokens, MFA für npm/GitHub, isolierte Build-Umgebungen, kein Dauer-Login auf Cloud-Konsolen.

    Paket-Allowlist

    Interne Registry (Verdaccio, Artifactory) mit Allowlist; preinstall/postinstall standardmäßig blockieren.

    Build-Pipeline härten – in 5 Schritten

    1. 1

      Lockfiles erzwingen

      npm ci statt npm install in CI; Integritäts-Hashes prüfen, pnpm/yarn analog konfigurieren.

    2. 2

      Install-Scripts blockieren

      npm config set ignore-scripts true; Hooks nur explizit für vertraute Pakete erlauben.

    3. 3

      SCA & Allowlist

      Socket, Snyk oder OSV-Scanner in jeden PR; private Registry mit Allowlist betreiben.

    4. 4

      Build-Hosts isolieren

      Runner mit minimalen Rechten, kurzlebige Tokens, Egress-Filter, EDR/XDR aktiv.

    5. 5

      Secrets rotieren

      Bei Verdacht alle SSH-Keys, Cloud-Credentials und GitHub-Tokens neu ausstellen.

    Wasacon-Einschätzung

    Der Vorfall zeigt schmerzhaft klar: Du wirst 2026 nicht mehr über offene Ports gehackt – sondern über Code, dem du vertraust. Wer keine Kontrolle über seine Abhängigkeiten hat, wer Build-Server wie Office-PCs behandelt und Install-Scripts blind laufen lässt, ist bereits Teil der nächsten Schlagzeile.

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