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    Qilin · Eppingen-Rohrbach · gelistet 04.08.2026

    Rupp Solutions gehackt? Qilin listet deutschen Spritzguss-Spezialisten im Darknet

    Am 4. August 2026 tauchte RUPP Spritzguss auf der Leak-Seite einer der derzeit aktivsten Ransomware-Gruppen auf. Die Angreifer behaupten, interne Unternehmensdaten erbeutet zu haben. Hinter dem Betrieb stehen rund 80 Beschäftigte, eine hochgradig digitalisierte Produktion, vernetzte Qualitätssicherung und Just-in-Time-Lieferketten.

    11.08.2026 15 min Lesezeit Recherchestand · unbestätigt
    ● QILIN · LEAK-SITE ALERT · RUPP SPRITZGUSS · EPPINGEN-ROHRBACH · LISTUNG 04.08.2026 · STATUS CLAIMED · ● QILIN · RUPP SOLUTIONS ·
    Darknet-Alarm: Ransomware-Gruppe Qilin listet RUPP Spritzguss aus Eppingen-Rohrbach auf ihrer Leak-Seite
    > QILIN LISTING 04.08.2026 ~18:00 UTC · TARGET=RUPP SPRITZGUSS · EPPINGEN-ROHRBACH · CLAIM: INTERNE UNTERNEHMENSDATEN · STATUS: UNBESTÄTIGT · >
    Qilin-Listung 04.08.2026 · Status: Claimed / nicht bestätigt
    Kurzantwort

    Belegt ist die Listung – nicht der Hack

    Am 4. August 2026 gegen 18:00 Uhr UTC tauchte RUPP Spritzguss in öffentlich erfassten Ransomware-Trackern als neues Opfer der Gruppe Qilin auf. Auf der Leak-Seite der Cyberkriminellen soll das Unternehmen aus Eppingen-Rohrbach aufgeführt worden sein. Qilin behauptet, interne Daten exfiltriert zu haben.

    Entscheidend ist jedoch: Eine öffentlich zugängliche Bestätigung von Rupp Solutions selbst, dass tatsächlich Daten gestohlen oder Systeme verschlüsselt wurden, war zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht auffindbar. Die Darknet-Veröffentlichung ist damit zunächst eine Behauptung der Angreifer – kein unabhängig bestätigter Nachweis eines erfolgreichen Hacks.

    Warum eine Listung nicht dasselbe ist wie ein bewiesener Angriff

    Genau diese Unterscheidung ist bei Ransomware-Fällen wichtig. Tätergruppen nutzen ihre Darknet-Seiten als Druckmittel. Eine Listung soll Kunden, Geschäftspartner und Geschäftsführung unter Zugzwang setzen und die Zahlungsbereitschaft erhöhen.

    Trend Micro beschreibt dieses Vorgehen für Agenda beziehungsweise Qilin ausdrücklich: Die Gruppe betreibt eine Tor-basierte Leak-Seite, auf der angebliche Beweise für Kompromittierungen, Countdown-Timer und schrittweise Veröffentlichungen gestohlener Daten eingesetzt werden.

    Rupp Solutions im Fokus – der Fall auf einen Blick

    Übersichtsgrafik zum Fall Rupp Solutions – alle Kennzahlen sind im Beitrag zusätzlich als interaktive Daten aufbereitet. Klicken zum Vergrößern.

    Das Unternehmen in Zahlen

    Öffentlich verfügbare Größenordnungen – keine Angaben aus dem Vorfall.

    ca. 0
    Mitarbeiter
    am Standort Eppingen-Rohrbach
    0
    Spritzgießmaschinen
    u. a. KraussMaffei, Arburg, Battenfeld, Billion
    10–0 Mio. €
    Umsatzklasse
    öffentliche Einordnung, kein geprüfter Wert
    0
    Ursprung des Betriebs
    Rupp Solutions GmbH seit Ende 2022
    Unternehmen
    Rupp Solutions GmbH
    Geschäftsbetrieb übernommen zum 01.01.2023
    Standort
    Eppingen-Rohrbach
    Baden-Württemberg
    Zertifizierungen
    IATF 16949:2016 · ISO 9001:2015
    Automotive-Qualitätsanforderungen
    Kernkompetenzen
    Werkzeugbau, Spritzguss, 2K-Technik
    Funktionsgehäuse, Baugruppen, Komplettservice
    Logistik
    Just-in-Time, Kanban
    Hochregallager, Barcode-Logistik
    Kundenbranchen
    Automotive, Elektrotechnik
    Maschinenbau, Medizin- und Bürotechnik

    Rupp selbst bezeichnet sich als mittelständisches Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern in Eppingen-Rohrbach. Die Unternehmenswebsite nennt Formenbau, Funktionsgehäuse, Baugruppen, Zwei-Komponenten-Spritzguss und Komplettservice als Kernkompetenzen. Eine öffentlich bereitgestellte Maschinen- und Ausstattungsliste führt 40 Spritzgießmaschinen auf – darunter Anlagen von KraussMaffei, Arburg, Battenfeld und Billion.

    Kundenbranchen: Warum Automotive den Takt vorgibt

    Verteilung nach öffentlicher Selbstdarstellung – Größenordnungen, keine geprüften Umsatzanteile.

    Automobilindustrie45 %
    Elektrotechnik20 %
    Maschinenbau15 %
    Medizin-/Bürotechnik10 %
    Sonstige10 %

    Automotive-Kunden verlangen lückenlose Nachvollziehbarkeit. Rupp ist nach IATF 16949:2016 zertifiziert und beschreibt die durchgängige Dokumentation vom Eingang der Kundendaten über Produktion und Verpackung bis zum Versand als Bestandteil der eigenen Qualitätsorganisation.

    Rupp ist viel stärker von IT abhängig, als es von außen aussieht

    Bei einem Industriebetrieb bedeutet „IT-Ausfall“ nicht nur, dass Outlook oder der Dateiserver stillstehen. Rupp beschreibt selbst eine tief vernetzte Produktionsumgebung: Supply-Chain- und Produktionsplanung mit Wincarat (Sage Bäurer), Betriebsdatenerfassung Proses sowie Qualitätssysteme von Babtec – über Schnittstellen miteinander verbunden. Bauteile lassen sich dadurch vom Design über die Fertigung bis zur Verpackung digital verfolgen.

    PPS / SCM

    Produktionsplanung und Supply Chain – im Unternehmen als Wincarat (Sage Bäurer) beschrieben.

    BDE

    Betriebsdatenerfassung (Proses): Maschinen- und Produktionszustände, Chargendokumentation.

    CAQ

    Computer Aided Quality (Babtec): elektronische Prüfvorgaben, Qualitätsdaten, Reklamationen.

    Barcode & Hochregallager

    Kommissionierung, Versand und Lagerlogistik hängen an digitalen Prozessen.

    Kanban / Just-in-Time

    Termingerechte Lieferung an Automotive- und Maschinenbaukunden.

    CAD- & Kundendaten

    Technische Zeichnungen, Machbarkeit, Konstruktion, Werkzeugbau, Serienproduktion.

    Ausfallrisiko: Fällt die zentrale Produktionsplanung aus, können Maschinen theoretisch weiterlaufen – es fehlen aber Fertigungsaufträge, Parameter, Materialinformationen und Terminpläne. Wird die Betriebsdatenerfassung gestört, leidet die Chargendokumentation. Trifft es das CAQ-System, wird die digitale Qualitätssicherung zum Problem. Ein Ransomware-Angriff kann einen Produktionsbetrieb treffen, ohne eine einzige Spritzgießmaschine physisch zu beschädigen.

    Das eigentliche Risiko heißt Produktionsstillstand

    Bei Rupp kommt Just-in-Time-Produktion hinzu. Das Unternehmen beschreibt sein Kanban-System, ein Hochregallager und ein mit BDE und CAQ verbundenes PPS-System als Grundlage für termingerechte Lieferungen; ein Barcode-System unterstützt den Versand. Das ist effizient – erhöht aber den wirtschaftlichen Druck bei längeren IT-Ausfällen.

    Ein Produktionsunternehmen kann einen verlorenen Arbeitstag nicht einfach am nächsten Morgen nachholen. Maschinenstunden, Schichten, Materialbereitstellung, Personalplanung und Lieferfenster hängen voneinander ab. Werden Teile für einen Automobilzulieferer oder Maschinenbauer nicht rechtzeitig ausgeliefert, überträgt sich die Störung auf weitere Unternehmen der Lieferkette. Genau darin liegt einer der Gründe, warum Industrieunternehmen für Ransomware-Gruppen attraktiv sind: Stillstand erzeugt Zeitdruck – und Zeitdruck erhöht den Erpressungshebel.

    Noch wertvoller als Maschinen: Konstruktions- und Kundendaten

    Rupp entwickelt und produziert kundenspezifische Werkzeuge und Kunststoffteile. Bereits vor Produktionsbeginn erhält ein solcher Fertiger technische Kundendaten, Zeichnungen und CAD-Informationen. Der beschriebene Prozess reicht von eingehenden CAD-Daten über Machbarkeitsprüfung und Konstruktion bis zum Werkzeugbau und zur Serienproduktion.

    Technische Zeichnungen
    Werkzeugkonstruktionen
    Kalkulationen
    Materialinformationen
    Qualitätsberichte
    Kundenkommunikation
    Einkaufs- & Lieferantendaten
    Personalunterlagen
    Zugangsdaten

    Welche Daten Qilin bei Rupp tatsächlich besitzt, ist derzeit öffentlich nicht belastbar geklärt. Die bekannte Darknet-Listung erlaubt keine seriöse Aussage darüber, ob Konstruktionsdaten, personenbezogene Daten oder Kundendokumente betroffen sind.

    Behauptung, Beleg oder offen?

    RUPP Spritzguss auf Qilin-Leak-Seite gelistetbelegt (04.08.2026, ~18:00 UTC, Tracker)
    Qilin behauptet Diebstahl interner DatenTäterbehauptung
    Umfang und Art der Datennicht öffentlich belastbar geklärt
    Verschlüsselung von Produktionssystemennicht öffentlich bekannt
    Angriffsweg / Erstzugriffunbekannt
    Betriebsstörung / Produktionsausfallnicht öffentlich bekannt
    Lösegeldforderungnicht öffentlich
    Stellungnahme von Rupp Solutionsnicht auffindbar (Stand 11.08.2026)
    Jahresabschluss 2024 veröffentlicht am 03.08.2026belegt – Zusammenhang zur Listung: kein Beleg

    Der Fall im Überblick

    Gesamtübersicht: Unternehmensdaten, historische Finanzkennzahlen, Bedrohungslage und Budgetmodell. Klicken zum Vergrößern.

    Wer ist Qilin?

    Ransomware-as-a-Service

    Qilin (früher Agenda) arbeitet mit Affiliates und einer Tor-basierten Leak-Seite mit Countdown-Mechanik.

    Windows, Linux, VMware ESXi

    Microsoft führt Qilin als Familie, die auch virtualisierte Serverlandschaften angreifen kann.

    Erstzugriff

    Beobachtet wurden unter anderem kompromittierte Zugangsdaten und ausgenutzte Schwachstellen.

    Exfiltration vor Verschlüsselung

    Microsoft beschreibt Datenabfluss, bevor Systeme verschlüsselt werden – Backups allein reichen deshalb nicht.

    1.400+
    Opfer auf der Qilin/Agenda-Leak-Seite 2025 (+538 % vs. 2024)
    Quelle: Trend Micro 2025
    289,2 Mrd. €
    Schaden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage in Deutschland 2025
    Quelle: Bitkom 2025
    87 %
    der befragten deutschen Unternehmen berichteten von entsprechenden Vorfällen
    Quelle: Bitkom 2025

    Auch Sophos zählt Qilin bei der Untersuchung des produzierenden Gewerbes zu den besonders häufig auf Leak-Seiten beobachteten Gruppen. Rupp wäre damit kein ungewöhnliches Zielprofil.

    Wie teuer kann ein solcher Angriff werden?

    Sophos 2025: 332 von Ransomware betroffene Fertigungsunternehmen mit 100–5.000 Beschäftigten weltweit.

    0,0
    Mio. US-$ durchschnittliche Wiederherstellungskosten
    ohne Lösegeldzahlung
    0,0
    Mio. US-$ durchschnittliche Lösegeldforderung
    produzierendes Gewerbe
    0,0
    Mio. US-$ durchschnittliche tatsächliche Zahlung
    332 befragte Unternehmen, 100–5.000 Beschäftigte

    Die Lösegeldforderung ist bei modernen Angriffen nur ein Teil der Rechnung: Forensik, Neuaufbau von Servern, Zurücksetzen von Zugangsdaten, Prüfung und Wiederherstellung von Backups, Arbeitsausfall, Störungen in Produktion und Versand, Kunden- und Lieferantenbetreuung, externe IT-Spezialisten, Anwälte und Krisenkommunikation kommen hinzu. Die Sophos-Werte sind aufgrund der Unternehmensgrößen nicht eins zu eins auf einen 80-Mitarbeiter-Betrieb übertragbar – sie zeigen aber die Dimension.

    Unternehmen, Risiko und Budget in einer Grafik

    Kompakte Gesamtdarstellung: Unternehmenszahlen, Kundenbranchen, Qilin-Steckbrief, Budgetmodell und Kosten eines Angriffs. Klicken zum Vergrößern.

    Wie groß ist Rupp wirtschaftlich?

    Hier muss man genauer hinschauen, denn im Netz werden unterschiedliche Gesellschaften und Zeiträume vermischt. Der industrielle Geschäftsbetrieb blickt auf eine Geschichte seit 1963 zurück. Die heutige Rupp Solutions GmbH ist rechtlich deutlich jünger: eingetragen am 29. Dezember 2022, Übernahme der Geschäftstätigkeit der früheren Andreas Rupp GmbH zum 1. Januar 2023, Stammkapital 25.000 Euro, Geschäftsführer laut Impressum und Registerdaten Markus Hüter.

    Wichtig: Finanzkennzahlen der alten Andreas Rupp GmbH dürfen nicht als aktuelle Zahlen von Rupp Solutions dargestellt werden.

    Für die heutige Rupp Solutions GmbH wurde laut Registerdaten am 3. August 2026 der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlicht – einen Tag vor der Qilin-Listung. Für einen Zusammenhang gibt es keinerlei Beleg; die zeitliche Nähe ist lediglich bemerkenswert. Belastbare vollständige Umsatz- und Ergebniswerte liefern die frei indexierten Registerdaten derzeit nicht. Ein Unternehmensverzeichnis ordnet Rupp einer sehr breiten Umsatzklasse von 10 bis 50 Millionen Euro zu – ein Größenindikator, kein geprüfter Umsatzwert.

    Die Finanzgeschichte des Vorgängerunternehmens

    Andreas Rupp GmbH20182020
    Bilanzsumme10,15 Mio. €9,85 Mio. €
    Eigenkapital1,57 Mio. €-842 Tsd. €
    Verbindlichkeiten7,99 Mio. €9,13 Mio. €
    Jahresergebnis+59 Tsd. €-1,48 Mio. €
    Mitarbeiter8188

    2018 lag der Jahresüberschuss bei rund 59.000 Euro nach rund 340.000 Euro im Vorjahr, der Personalaufwand bei rund 2,66 Millionen Euro (davon rund 2,21 Millionen Euro Löhne und Gehälter). Bis 2020 hatte sich die Lage deutlich verschlechtert: Jahresfehlbetrag rund 1,48 Millionen Euro, nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag rund 842.000 Euro. Im März 2022 wurde eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, im Mai 2022 das Insolvenzverfahren über die Andreas Rupp GmbH eröffnet.

    Deshalb ist die Aussage, Rupp befinde sich aktuell in einem Restrukturierungsverfahren, mit Vorsicht zu behandeln: Die dokumentierte Restrukturierung betraf 2022 die frühere Andreas Rupp GmbH. Die heutige Gesellschaft wird in den geprüften Quellen als aktiv geführt – und trat zuletzt selbst als Käufer in Restrukturierungsfällen auf: Anfang 2025 übernahm Rupp Solutions den Geschäftsbetrieb der insolventen Hanselmann & Cie. Technologies und sicherte damit rund 100 Arbeitsplätze in Oppenweiler.

    Was hätte ein Betrieb dieser Größe investieren müssen?

    Redaktionelle Modellrechnung für rund 80 Beschäftigte mit vernetzter Produktion – keine bekannten Ausgaben von Rupp. Werte in Tausend Euro pro Jahr.

    EDR/XDR für Clients und Server, Identität & E-Mail-Security15.000–30.000 €
    24/7 MDR/SOC und Incident Detection30.000–60.000 €
    Immutable/Offline-Backups, Überwachung & Restore-Tests25.000–50.000 €
    Netzwerksegmentierung, Firewalls, Trennung IT/Produktion20.000–50.000 €
    MFA, Privileged Access, Patch- & Vulnerability-Management15.000–30.000 €
    Awareness, Pentests, Notfallübungen & IR-Vorsorge15.000–30.000 €
    Laufend pro Jahr
    ca. 120.000 – 250.000 €
    Einmalige Modernisierung
    ca. 80.000 – 180.000 €
    Erstes größeres Ausbaujahr
    200.000 – 430.000 €

    Danach wären für einen Industriebetrieb dieser Komplexität aus unserer Sicht etwa 120.000 bis 250.000 Euro jährlich vertretbar. Solche Investitionen sind keine Garantie, niemals Opfer von Qilin zu werden. Ihr Zweck besteht darin, die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs zu verringern – und vor allem den Blast Radius massiv zu begrenzen.

    Der entscheidende Punkt: Backup allein reicht nicht mehr

    Wenn Angreifer Daten bereits vor der Verschlüsselung kopiert haben, kann ein perfektes Backup die Produktion retten – aber nicht verhindern, dass vertrauliche Informationen veröffentlicht werden. Microsoft hat bei Qilin beobachtet, dass größere Datenmengen vor der Verschlüsselung exfiltriert werden können. Die Gruppe kann zudem Linux- und VMware-ESXi-Systeme angreifen, was virtualisierte Serverlandschaften besonders relevant macht.

    Besonders gefährlich: Wenn Qualitätssysteme ausfallen

    Rupp beschreibt eine weitgehend digitale Qualitätssicherung: Prüfungen werden elektronisch vorgegeben und dokumentiert, Produktionsdaten, Qualitätsinformationen und Reklamationen laufen in IT-Systemen zusammen. Das eigene EDV-System bezeichnet das Unternehmen als wesentliche Voraussetzung für die hohen Automotive-Qualitätsanforderungen. Selbst wenn eine Spritzgießmaschine technisch weiterläuft, heißt das nicht, dass produzierte Teile problemlos ausgeliefert werden können. Fehlen nachvollziehbare Prüf- und Chargendaten, entsteht ein Qualitäts- und Freigabeproblem – Cybersecurity wird damit unmittelbar zum Bestandteil der Produktionsqualität.

    Die wichtigere Frage

    Nicht „Können wir unsere Daten wiederherstellen?“, sondern: „Wie viele Stunden können wir ohne unsere IT produzieren?“

    Mehrere Verteidigungsebenen gleichzeitig

    EDR/XDR & MDR

    Endpunkte und Server überwachen, Angriffe rund um die Uhr erkennen.

    MFA & Identitäten

    Phishingresistente Multi-Faktor-Authentifizierung, Admin-Trennung, Privileged Access.

    IT und Produktion trennen

    Segmentierung zwischen Büro-, Server- und Fertigungsnetz – Blast Radius begrenzen.

    Unveränderbare Backups

    Immutable/Offline sichern, Wiederherstellung regelmäßig echt testen.

    Awareness

    Beschäftigte gegen Phishing und Social Engineering trainieren.

    Wiederanlaufplan

    Notfallplan schreiben, üben, Rollen klären – bevor der Ernstfall kommt.

    Was jetzt geklärt werden muss

    1Hat Qilin tatsächlich Zugang zu internen Systemen erlangt?
    2Welche Daten wurden möglicherweise kopiert?
    3Waren Produktionssysteme betroffen?
    4Gab es eine Verschlüsselung – oder ausschließlich Datendiebstahl und Erpressung?
    5Sind technische Kundendaten wie CAD-Zeichnungen oder Werkzeugkonstruktionen betroffen?
    6Wurden Zugangsdaten kompromittiert?
    7War der Betrieb – Produktion, Qualität, Logistik – beeinträchtigt?
    8Wurden Kunden, Lieferanten und Beschäftigte bereits informiert?

    Solange Rupp Solutions dazu keine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht und keine unabhängigen technischen Erkenntnisse vorliegen, sollten diese Fragen nicht mit Vermutungen beantwortet werden.

    Wasacon-Perspektive: Was Industriebetriebe jetzt priorisieren sollten

    Produktionsbetriebe hängen an wenigen zentralen Systemen: PPS, BDE, CAQ, Lager und Versand. Fällt eines davon aus, steht die Wertschöpfungskette – auch ohne beschädigte Maschine. Deshalb gehören Büro- und Fertigungsnetz getrennt, Backups unveränderbar gesichert und Angriffe rund um die Uhr erkannt.

    Konkret heißt das: phishingresistente MFA, Admin-Trennung und Härtung der Identitäten, unveränderbare Backups mit echten Rücksicherungstests sowie ein segmentierter, überwachter Netzbetrieb mit Patch- und Änderungsmanagement.

    FAQ zur Qilin-Listung von Rupp Solutions

    Fazit: Die Darknet-Listung ist bereits ein ernstes Warnsignal

    Fest steht: RUPP Spritzguss wurde am 4. August 2026 von Qilin auf einer Ransomware-Leak-Seite im Darknet gelistet. Die Gruppe behauptet, interne Daten erbeutet zu haben. Nicht fest steht dagegen, welchen Umfang ein möglicher Angriff hatte, ob Produktionssysteme verschlüsselt wurden und welche Daten Qilin tatsächlich besitzt.

    Rund 80 Beschäftigte. Dutzende Produktionsmaschinen. Werkzeugbau. Automotive-Kunden. Vernetzte Produktionsplanung. Digitale Betriebsdatenerfassung. CAQ. Barcode-Logistik. Kanban. Just-in-Time. Technische Kundendaten und digital dokumentierte Qualität. Das alles sorgt im Normalbetrieb für Effizienz – im Cyberangriff wird genau diese Vernetzung zum Risiko.

    Deshalb sind 100.000 oder 200.000 Euro zusätzliche Cybersecurity-Ausgaben für einen Industriebetrieb dieser Größenordnung nicht nur IT-Kosten, sondern eine Versicherung der Produktionsfähigkeit. Die entscheidende wirtschaftliche Frage lautet nicht mehr „Was kostet gute IT-Sicherheit?“, sondern: „Was kostet uns eine Woche, in der unsere Produktion der IT hinterherläuft?“

    Redaktioneller Hinweis: Die Zuordnung des Vorfalls zu Qilin und die Behauptung eines Datendiebstahls beruhen derzeit auf der Veröffentlichung der Tätergruppe und der Beobachtung ihrer Leak-Seite durch Cybersecurity-Tracker. Eine öffentlich auffindbare Bestätigung des behaupteten Datenabflusses durch Rupp Solutions lag zum Zeitpunkt der Recherche am 11. August 2026 nicht vor. Finanzdaten der früheren Andreas Rupp GmbH sind ausdrücklich historische Daten der Vorgängergesellschaft und nicht mit den aktuellen Finanzzahlen der Rupp Solutions GmbH gleichzusetzen. Die Modellrechnung zu IT-Sicherheitsinvestitionen stellt keine Aussage über die tatsächlich vorhandene Infrastruktur oder getätigte Ausgaben dar.

    Transparenzhinweis

    Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie auf Angaben einer Darknet-Leak-Seite. Die dort veröffentlichten Behauptungen konnten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifiziert werden. Die Erwähnung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Cyberangriff oder Datenabfluss stattgefunden hat.

    Haftungsausschluss: Die auf Wasacon bereitgestellten Inhalte dienen nur zu Informationszwecken. Wir garantieren nicht die Qualität, Genauigkeit oder Vollständigkeit der Informationen aus Drittquellen.

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