Am 02. Juli 2026 ist die Frankfurter Notar- und Rechtsanwaltskanzlei FunkeScheid auf der Leak-Seite der Ransomware-Gruppe Medusa aufgetaucht. Die Täter behaupten, 9.755 E-Mails erbeutet zu haben. Eine unabhängige Bestätigung liegt aktuell nicht vor.

Transparenzhinweis
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie auf Angaben einer Darknet-Leak-Seite. Die dort veröffentlichten Behauptungen konnten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifiziert werden. Die Erwähnung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Cyberangriff oder Datenabfluss stattgefunden hat.
Die Ransomware-Gruppe Medusa hat die Frankfurter Notar- und Rechtsanwaltskanzlei FunkeScheid auf ihrer Darknet-Leak-Seite veröffentlicht. Als Nachweis wurde ein Eintrag mit Dateiliste sowie die Angabe von 9.755 angeblich entwendeten E-Mails publiziert.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine unabhängige Bestätigung. Solche Veröffentlichungen sind zunächst die Behauptung der Täter und dienen häufig als Druckmittel gegenüber dem betroffenen Unternehmen. Frühere Fälle zeigen jedoch, dass Listings dieser Art regelmäßig auf tatsächliche Sicherheitsvorfälle hindeuten und deshalb ernst genommen werden müssen.
Die FunkeScheid Rechtsanwälte | Notare | Steuerberater mit Sitz im Frankfurter Westend zählt zu den etablierten Kanzleien der Mainmetropole. Die Kanzlei betreut sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und deckt mehrere besonders sensible Rechtsgebiete ab:
Bekannte Berufsträger: Dr. Christian Funke (Rechtsanwalt, Notar, Steuerberater), Muriel Scheid (Rechtsanwältin).
Notare übernehmen eine besondere Vertrauensstellung: Sie beurkunden Immobilienkäufe, Unternehmensgründungen, Eheverträge, Testamente und viele weitere Rechtsgeschäfte – dabei werden regelmäßig hochsensible Daten verarbeitet, die Menschen ihr gesamtes Leben begleiten.
Ein erfolgreicher Angriff auf ein Notariat kann daher nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern tief in die Privatsphäre der Betroffenen eingreifen.

Wasacon-Infografik: Was passiert ist, was betroffen sein könnte, was Sie jetzt tun sollten.
Ein E-Mail-Archiv dieser Größe kann mehrere Jahre geschäftlicher Kommunikation umfassen – Vertragsentwürfe, unterschriebene Verträge, Immobilienunterlagen, Erbschaftsdokumente, Kaufpreisvereinbarungen, Steuerunterlagen, Kontoverbindungen, Personalausweiskopien, Vollmachten, notarielle Urkunden sowie Korrespondenz mit Banken, Gerichten und Behörden.
Genau diese Mischung macht Notariats-E-Mail-Archive für Cyberkriminelle besonders attraktiv.
Wichtig zur Einordnung: Die folgenden Szenarien beschreiben branchenübliche Angriffs-Muster, die nach vergleichbaren Datenleaks im In- und Ausland beobachtet wurden. Sie sind keine Aussage über tatsächliche Vorgänge bei FunkeScheid, sondern eine Warnung an Mandanten und Geschäftspartner, mit denen Kanzleien üblicherweise arbeiten.
Ein Datenleck in einer Notarkanzlei ist gefährlicher als ein klassisches Kundendatenleck – und zwar deshalb, weil Angreifer nach einem solchen Vorfall echtes, verifiziertes Insider-Wissen in die Hand bekommen könnten:
Mit diesen Informationen könnten Kriminelle Betrugsversuche starten, die selbst aufmerksame Empfänger kaum noch als solche erkennen:
Angreifer könnten unter dem Namen der Kanzlei kurz vor einem bekannten Beurkundungstermin eine „Änderung der Treuhandkonto-IBAN" versenden – mit exakter Objekt-Nennung und korrektem Termin.
Wer Zugriff auf Testaments- und Erbunterlagen hätte, könnte Erben gezielt kontaktieren – mit Insider-Details, die kein normaler Betrüger kennen kann.
Bei laufenden Unternehmenskäufen könnten gefälschte E-Mails Kaufpreis-Zahlungen umleiten – die Angreifer kennen Beträge, Beteiligte und Zeitplan.
Kombiniert man Ausweisdaten mit Adresse, Bankverbindung und persönlicher Kommunikation, entstehen sehr glaubwürdige Voll-Identitäten für Konto- oder Kredit-Betrug.
Ein Anrufer, der Vertragsdetails, Anwaltsnamen und aktuelle Vorgänge nennt, wirkt automatisch legitim – klassische Voice-Phishing-Vorlage.
Kernrisiko: Selbst wenn niemand die Kanzlei erneut angreift, kann das ausgelagerte Datenmaterial jahrelang für Betrugsversuche gegen Mandanten weiterverwendet werden. Ein einmaliger Vorfall wirkt wie eine Bibliothek hochwertiger Angriffs-Vorlagen – ein sogenannter „Second Wave"-Effekt.

Fiktive Darstellung eines möglichen Angriffs-Ablaufs. Alle Namen, IBANs und Beträge sind erfunden. Keine Aussage über tatsächliche Vorgänge bei FunkeScheid.
Für eine Kanzlei dieser Größenordnung wäre aus heutiger Sicht ein realistisches jährliches Budget dieser Größenordnung angemessen. Es handelt sich um keine gesetzlichen Vorgaben, sondern um eine fachliche Einschätzung für Organisationen mit vergleichbarem Schutzbedarf.
| Bereich | Empfehlung pro Jahr |
|---|---|
| IT-Infrastruktur | 50.000 – 100.000 € |
| Cybersecurity | 40.000 – 80.000 € |
| Backup & Recovery | 10.000 – 25.000 € |
| Endpoint Detection & Response (EDR) | 8.000 – 20.000 € |
| Penetrationstests | 8.000 – 15.000 € |
| Mitarbeiterschulungen | 5.000 – 10.000 € |
| Gesamt-Empfehlung | ca. 120.000 – 250.000 € / Jahr |
Nur das Zusammenspiel dieser Maßnahmen reduziert das Risiko erfolgreicher Ransomware-Angriffe nachhaltig.
Medusa (auch als MedusaLocker bekannt) zählt seit mehreren Jahren zu den weltweit aktivsten Ransomware-Gruppen. Die Täter verfolgen das Double-Extortion-Modell: Systeme werden verschlüsselt und zuvor Daten exfiltriert. Anschließend wird mit Veröffentlichung im Darknet oder Weitergabe an Dritte gedroht, falls kein Lösegeld gezahlt wird.
Durch dieses Vorgehen geraten Unternehmen selbst dann unter Druck, wenn funktionierende Backups vorhanden sind – denn ein Datenabfluss lässt sich nachträglich nicht mehr rückgängig machen.
Die Listung von FunkeScheid auf der Medusa-Leak-Seite ist ein ernstzunehmender Vorfall. Ob die von den Tätern behaupteten 9.755 E-Mails tatsächlich vollständig entwendet wurden, ist derzeit nicht unabhängig bestätigt. Dennoch zeigt der Fall erneut, wie attraktiv Notariate und Rechtsanwaltskanzleien für Cyberkriminelle sind.
Sollte sich der Datenabfluss bestätigen, könnten die Folgen weit über die Kanzlei selbst hinausreichen und zahlreiche Mandanten treffen – insbesondere durch anschließende Social-Engineering-Angriffe mit echtem Insider-Wissen. Ransomware trifft längst nicht mehr nur Großkonzerne. Organisationen jeder Größe, insbesondere mit besonders schützenswerten Datenbeständen, müssen ihre Cyberabwehr kontinuierlich anpassen.
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Risiko-Level: Mittel · Multiplikator: 1.2×
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