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    IT-Sicherheit

    30.000 Facebook-Konten gehackt – Chrome-Extension wird zur Falle

    Browser-Erweiterung stiehlt Session-Cookies, AppSheet liefert die Phishing-Mails, Telegram empfängt die Beute.

    02.05.2026 7 min Lesezeit
    30.000 Facebook-Konten gehackt durch bösartige Chrome-Extension

    Auf einen Blick

    Eine vermeintlich harmlose Browser-Erweiterung entpuppt sich als großflächige Account-Takeover-Maschine: Über 30.000 Facebook-Konten wurden über eine bösartige Chrome-Extension kompromittiert. Die Angreifer verschickten Phishing-Mails über die offizielle Google-AppSheet-Infrastruktur, leiteten Opfer auf Netlify-gehostete Fake-Seiten weiter und exfiltrierten gestohlene Cookies und Credentials per Telegram-Bot. Kein Passwort, kein klassischer Login – Session-Hijacking pur.

    Die Köder-Mail: Gefälschte Meta-DMCA-Warnung

    Die Kampagne startet mit einer professionell gestalteten E-Mail im Look von Meta Support. Inhalt: Eine angebliche DMCA-Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzungen. Das Konto soll innerhalb von 24 Stunden permanent gesperrt werden. Ein prominenter „Submit an Appeal"-Button führt zur Phishing-Seite – gehostet auf einer unscheinbaren Netlify-Subdomain.

    Phishing-Mail mit gefälschter Meta DMCA-Warnung und Netlify-Phishing-Seite

    Visualisierung: Phishing-Mail im Meta-Look (links) → Netlify-gehostete Fake-Seite (rechts)

    ⚠️ Kritisch: Die Phishing-Domains sind oft nur Stunden alt – Reputations-Filter greifen zu spät. Beispieldomain aus der Kampagne: magical-malabi-ec587a.netlify.app

    Versand über Google AppSheet – DMARC umgangen

    Der eigentliche Trick liegt im Versandweg: Die E-Mails kommen von [email protected] – einer offiziellen Google-Workspace-Adresse. AppSheet erlaubt es jedem Nutzer, einen Custom Sender Name wie „Meta Support" zu setzen. Da die Mail technisch korrekt von Google-Servern kommt, passieren SPF, DKIM und DMARC ohne Beanstandung.

    Google AppSheet als Versandweg für Meta-Phishing-Mails

    Versandweg: Custom Sender „Meta Support" über offiziellen Google-AppSheet-Service

    Was Spamfilter sehen

    Legitime Google-Infrastruktur, gültige Signaturen, hohe Sender-Reputation.

    Was der Empfänger sieht

    „Meta Support" mit Verified-Badge, Inbox statt Spam-Ordner, hohes Vertrauen.

    Datenabfluss: Telegram-Bot als C2-Kanal

    Sobald ein Opfer Anmeldedaten auf der Fake-Seite eingibt, wandern Username, Passwort, IP und User-Agent direkt an einen Telegram-Bot. Beobachtet wurden zwei Evolutionsstufen der Exfiltration:

    Exfiltration der Credentials via Telegram-Bot in zwei Versionen

    V1: Direkter Telegram-Call im Client-Bundle. V2: Netlify-Function als Proxy versteckt die Bot-Credentials.

    V1

    Direktaufruf der Telegram-API im Browser

    Im JavaScript-Bundle steht ein direkter fetch("https://api.telegram.org/bot…/sendMessage"). Bot-Token und Chat-ID waren für jeden Analysten im Klartext sichtbar.

    V2

    Netlify Serverless Function als Proxy

    Die Angreifer reagierten auf öffentliche Reports und versteckten den Telegram-Bot hinter einer eigenen /.netlify/functions/send-Endpoint. Bot-Credentials liegen jetzt serverseitig – schwerer aufzuspüren, schwerer zu blockieren.

    Was die Chrome-Extension wirklich tat

    Die Extension wirkte legitim, mit positiven Bewertungen und funktionalem Mehrwert. Im Hintergrund führte sie aus:

    Session-Cookies auslesen

    Login ohne Passwort möglich – aktive Sessions werden direkt übernommen.

    Credentials abgreifen

    Mitschnitt von Login-Formularen via injiziertem JavaScript.

    Aktive Facebook-Sitzungen kapern

    Vollzugriff auf Profil, Business Manager und Werbekonto.

    Automatisches Posten & Verbreiten

    Verteilung der Malware über kompromittierte Konten an Freundesnetzwerk.

    💣 Besonders perfide: Kein Passwort nötig, kein Login nötig, kein Alarm. Sobald die Extension installiert war, war der Account faktisch offen wie ein Scheunentor – auch mit aktivierter MFA.

    Browser-Extensions: Das neue Einfallstor Nr. 1

    Viele Unternehmen sichern Server, Firewalls und E-Mail-Gateways – und vergessen den Browser des Mitarbeiters. Genau dort findet 2026 der Großteil aller Angriffe statt.

    Server

    ✅ Gesichert

    Firewall

    ✅ Gesichert

    Browser

    ❌ Blinder Fleck

    Was wurde kompromittiert?

    • Übernahme von Facebook Business Accounts und Manager-Rechten
    • Missbrauch von Werbekonten – fremdes Geld für Scam-Kampagnen
    • Verbreitung von Schadlinks an Kunden und Follower
    • Aktive Nutzung von Unternehmensseiten für Malvertising
    • Vertrauensmissbrauch gegenüber Kunden und Geschäftspartnern

    Technischer Hintergrund

    Die Malware nutzt typische Methoden moderner Browser-Angriffsketten:

    chrome.cookies API

    Direkter Zugriff auf alle Cookies inkl. HttpOnly-Session-Tokens.

    JavaScript Injection

    Code wird in laufende Facebook-Sessions eingeschleust.

    C2-Kommunikation

    Kontakt zu Command-and-Control via Telegram-Bot oder Netlify-Proxy.

    Persistenz im Browser-Storage

    Überlebt Neustarts, versteckt sich vor klassischer Erkennung.

    Wichtig: Klassische Antivirus-Lösungen greifen hier oft nicht – weil der Browser selbst die Aktion ausführt und nichts „verdächtig" auf der Festplatte landet.

    Wasacon Einschätzung

    Dieser Vorfall ist kein Einzelfall – sondern ein Trend:

    „Der Angriffsvektor verschiebt sich vom Server zum User."

    Wenn ein Mitarbeiter kompromittiert ist, bringt dir:

    • der beste Server nichts
    • die beste Firewall nichts
    • das beste Backup nichts

    Konkrete Maßnahmen für Unternehmen

    1

    Browser-Policies erzwingen

    Nur geprüfte Extensions zulassen. Whitelisting statt Blacklisting. Über Group Policy oder MDM zentral gesteuert.

    2

    Session-Schutz implementieren

    Zero-Trust-Ansatz mit Device Binding, Token Binding und Re-Auth bei sensiblen Aktionen.

    3

    EDR/XDR einsetzen

    Verhaltensbasierte Erkennung statt Signatur-Antivirus. Browser-Aktivität wird beobachtet, nicht nur Files.

    4

    Awareness-Training (entscheidend!)

    Mitarbeiter müssen verstehen: Installieren = potenzieller Zugriff auf Firmendaten. Inkl. Phishing-Simulationen.

    💡 Wir empfehlen die Kombination aus EDR/XDR und IT-Sicherheit & Datenschutz.

    Reality-Check für Geschäftsführer

    Wenn du nicht weißt:

    welche Extensions deine Mitarbeiter nutzen
    welche Berechtigungen diese tatsächlich haben
    welche Daten darüber abfließen können
    wer Admin-Rechte für Browser-Konfigurationen hat

    … dann hast du bereits ein Problem.

    Teste jetzt deine Angriffsfläche

    Welche Browser-Extensions laufen in deinem Unternehmen? Welche Daten fließen darüber ab? Wir prüfen es für dich – inklusive konkreter Empfehlungen.

    Häufige Fragen

    Mehr aus der Browser- & Phishing-Themenwelt

    Verwandte Analysen zu manipulierten Extensions, Account-Takeover und modernen Phishing-Kampagnen.

    Haftungsausschluss: Die auf Wasacon bereitgestellten Inhalte dienen nur zu Informationszwecken. Wir garantieren nicht die Qualität, Genauigkeit oder Vollständigkeit der Informationen aus Drittquellen.

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