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    IT-Sicherheit · EU-App-Hack

    EU-Altersverifikations-App in 2 Minuten geknackt

    Was als Kinderschutz gedacht war, wird zum Sicherheitsdesaster. Forscher umgehen PIN, Brute-Force-Schutz und Biometrie – ohne Spezialwerkzeug. Ein Architektur-Versagen mit Folgen für die EU Digital Identity Wallet.

    18.04.2026 6 min Lesezeit
    EU-Altersverifikations-App auf Smartphone mit Sicherheitswarnung

    Die EU wollte ein klares Signal für den Jugendschutz im Netz setzen: Eine europaweite Altersverifikations-App, anonym und sicher. Klingt gut. Ist es aktuell aber nicht. Sicherheitsforscher haben die App in unter 2 Minuten ausgehebelt – mit einfachen Mitteln.

    Faktenbox: EU-App-Hack

    Angriffsdauer

    < 2 Minuten, ohne Spezialwerkzeug

    Schwachstellen

    4 zentrale Designfehler

    Status

    Reference Implementation / Demo

    Pilot-Länder

    Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark

    EUDI-Bezug

    Architektur fließt in EU Digital Identity Wallet ein

    Risiko

    Identitätsdiebstahl bei Live-Rollout

    Was ist die EU-Altersverifikations-App?

    Die App entstand im Rahmen der EU-Digitalstrategie und soll Plattformen helfen, das Alter ihrer Nutzer zu prüfen – ohne dabei sensible Identitätsdaten direkt weiterzugeben. Sie ist ein zentraler Baustein für die Umsetzung des Digital Services Act (DSA), der Plattformen ab 2025 stärker in die Pflicht nimmt.

    Funktionsweise: Nutzer weisen ihr Alter per Ausweis oder biometrisch nach. Die App bestätigt nur das Alter – im Idealfall ohne Klarnamen, Geburtsdatum oder Adresse zu übertragen. Die Reference Implementation gilt als Vorläufer der EU Digital Identity Wallet (EUDI).

    Die 4 zentralen Schwachstellen

    PIN lokal manipulierbar

    PIN wird in einer Konfigurationsdatei auf dem Gerät gespeichert. Datei löschen → neue PIN setzen → Zugriff auf fremde Identität bleibt bestehen.

    Brute-Force-Schutz wirkungslos

    Der Versuchszähler liegt ebenfalls lokal. Ein Reset der Datei = unbegrenzte Eingabeversuche. Lockout existiert praktisch nicht.

    Biometrie als reiner Schalter

    Face-ID/Fingerabdruck sind nur ein Toggle in der lokalen Konfiguration. Ein Klick deaktiviert den Schutz – ohne Server-Verifikation.

    Sensible Daten exponiert

    Erste Analysen zeigen schwache Implementierung biometrischer Prüfungen und potenzielle Exposition sensibler Identitätsmerkmale auf dem Gerät.

    Warum das ein Architektur-Versagen ist

    Das ist kein gewöhnlicher Bug. Es ist ein Designfehler auf Architektur-Ebene. Eine App, die Identität beweisen soll, darf niemals lokal manipulierbar sein. Genau das ist hier aber passiert: PIN, Versuchszähler, Biometrie-Toggle – alles liegt in beschreibbaren lokalen Dateien.

    Wer dem Client vertraut, hat schon verloren. Das ist eines der ältesten Anti-Patterns der IT-Sicherheit – und es trifft eine EU-Vorzeige-App.

    Zwei Perspektiven auf dasselbe Thema

    Dieser Artikel beleuchtet die technische Seite – die konkreten Schwachstellen und das Architektur-Versagen. Die Datenschutz-Perspektive – warum diese App selbst ohne Hack zum Risiko für Unternehmen wird – haben wir in einem eigenen Beitrag aufgearbeitet.

    Datenschutz-Risiko der EU-App lesen

    Experten schlagen Alarm

    „Das ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem großen Datenvorfall kommt."

    — Sicherheitsforscher zur EU-App-Architektur

    Über 400 Wissenschaftler warnen in einem offenen Brief generell vor schlecht umgesetzter, verpflichtender Altersverifikation: Sie schaffe neue Datenleaks, ermögliche Überwachung und liefere oft schlicht falsche Ergebnisse – mit echten Folgen für Bürger und Unternehmen.

    Das größere Problem: Die EUDI Wallet hängt daran

    Die App ist nicht nur ein Tool – sie ist ein Architektur-Prototyp für die kommende EU Digital Identity Wallet. Wenn die gleichen Designfehler dort einfließen, betrifft das nicht nur Plattformen, sondern auch:

    • Online-Banking und Zahlungsdienste
    • Behördliche Dienste (Steuer, Sozialversicherung)
    • Unternehmensportale & B2B-Identifikation
    • Gesundheitsdaten (eRezept, ePA-Anbindung)

    Was richtig wäre

    Server-seitige Verifikation

    Identitätsprüfungen gehören auf den Server – nie ausschließlich auf das Endgerät. Der Client ist ein Frontend, kein Tresor.

    Hardware-gebundene Sicherheit

    Schlüssel und biometrische Templates müssen in Secure Enclave / TEE liegen, nicht in einer JSON-Datei im App-Sandbox-Verzeichnis.

    Kryptografische Identitäts-Bindung

    PIN und Biometrie müssen kryptografisch an die geprüfte Identität gebunden werden – nicht nur als lokale Logik.

    Zero-Knowledge-Proofs

    Der zukünftige Standard: Beweise das Alter, ohne die Identität preiszugeben. EU-EUDI muss in diese Richtung – sonst wird sie zum Datengrab.

    Wasacon-Empfehlung für KMU

    Wenn selbst eine EU-App diese Probleme hat – wie sieht es bei euren internen Tools, Mobile Apps und Webportalen aus? Genau hier setzen wir an.

    • Auth-Logik prüfen: Findet Verifikation Server-seitig statt?
    • Client vs. Server Security: Wo werden Sicherheitsentscheidungen getroffen?
    • Manipulationsmöglichkeiten: Was passiert, wenn ein Nutzer App-Daten editiert?
    • Identitätsbindung: Sind PIN/Biometrie kryptografisch an die Identität gekoppelt?

    Sicherheit scheitert selten an Hackern – sondern an falschem Design.

    Häufige Fragen zum EU-App-Hack

    Wie sicher ist eure Authentifizierung wirklich?

    Wir prüfen eure Apps, Portale und internen Tools auf genau die Schwachstellen, die hier öffentlich wurden – Client-Side Trust, lokale Speicherung, fehlende Server-Verifikation.

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    ➡️ Weiteres staatliches Identitäts-Datenleck aus der EU: der angebliche ANTS-Hack in Frankreich mit 18 Millionen verifizierten Identitäten.

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