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    IT-Sicherheit · Claude Code · Supply Chain

    Ein einziges GitHub-Issue – tausende Repos kompromittierbarKritische Schwachstelle in Anthropics Claude Code GitHub Actions

    Sicherheitsforscher von GMO Flatt Security deckten eine schwerwiegende Lücke in den GitHub-Workflows von Anthropic auf: Ein präpariertes Issue hätte gereicht, um komplette Repositories zu übernehmen – inklusive Anthropic-eigener Infrastruktur. Eine neue Klasse von Supply-Chain-Angriffen ist Realität.

    04.06.2026 8 min Lesezeit Wasacon · Kreis Heinsberg
    Claude Code GitHub Actions Schwachstelle: kompromittierte Repositories durch ein einziges manipuliertes GitHub-Issue – Visualisierung der Supply-Chain-Bedrohung.

    Was ist Claude Code GitHub Actions?

    Mit der GitHub-Integration von Claude Code können Entwickler KI-Agenten direkt in ihre CI/CD-Pipelines einbinden. Die KI analysiert Pull Requests, kommentiert Code, erstellt Änderungen automatisch oder verarbeitet Issues per @claude-Mention. Das System läuft direkt in GitHub Actions und erhält dafür weitreichende Rechte im Repository.

    Standardmäßig besitzt der Workflow häufig:

    • Schreibzugriff auf den Quellcode
    • Zugriff auf Pull Requests und Issues
    • Rechte zum Bearbeiten von Workflows
    • Zugriff auf Diskussionen & Dateien
    • Zugriff auf Secrets und Tokens
    • OIDC-Identitäten gegenüber Cloud-Diensten
    Default-Permissions · claude-code-action

    Wie weit reicht ein kompromittierter Workflow?

    contents: write
    Quellcode manipulierbar
    95
    pull-requests: write
    Auto-Merge möglich
    90
    issues: write
    Trigger-Fläche
    70
    actions: write
    Workflows verändern
    92
    id-token: write (OIDC)
    Cloud-Identitäten
    97
    secrets exposure
    GITHUB_TOKEN + env
    99

    Der Angriff: Prompt Injection über ein GitHub-Issue

    Der Forscher RyotaK von GMO Flatt Security entdeckte, dass Angreifer die Rechteprüfung der GitHub Action umgehen konnten. Das Problem lag in der Behandlung von Bot-Accounts.

    Die Action vertraute standardmäßig jedem Benutzer, dessen Name auf [bot] endete. Die Annahme: GitHub-Apps seien vertrauenswürdig. Das Problem: Jeder Angreifer kann selbst eine GitHub-App registrieren und damit scheinbar legitime Bot-Accounts erzeugen.

    Damit konnte ein Angreifer ein präpariertes GitHub-Issue erstellen, das anschließend automatisch von Claude verarbeitet wurde.

    Attack-Chain · 5 Schritte · < 60 s

    Vom Issue zur Repo-Übernahme

    01
    Malicious[bot] Issue
    GitHub-App vortäuschen
    02
    @claude Mention
    Workflow getriggert
    03
    Indirect Prompt Injection
    Tool-Calls gehijackt
    04
    Token Exfiltration
    OIDC + GITHUB_TOKEN
    05
    Repo Takeover
    Supply-Chain offen
    ▲ Trigger-Bedingung: user.login.endsWith("[bot]") === true → automatischer Workflow-Run mit Repo-Schreibrechten.

    Von einer Textnachricht zur Repo-Übernahme

    Besonders gefährlich war die sogenannte Indirect Prompt Injection. Dabei versteckt der Angreifer manipulierte Anweisungen innerhalb normal wirkender Inhalte. Die KI interpretiert diese Inhalte dann nicht mehr nur als Text – sondern als Handlungsanweisung.

    Im konkreten Fall sah das Issue wie eine Fehlermeldung oder Recovery-Anweisung aus. Claude wurde dadurch gebracht:

    • Shell-Kommandos auszuführen
    • Umgebungsvariablen auszulesen
    • Zugriffstokens offenzulegen
    • Inhalte zurück in öffentliche Kommentare zu schreiben

    Der entscheidende Punkt: In GitHub Actions liegen häufig OIDC-Credentials und temporäre Tokens in den Environment-Variablen. Genau diese Daten wurden exfiltriert.

    .github/workflows/claude.yml
    COMPROMISED
    $ cat .github/workflows/claude.yml

    Warum OIDC-Tokens so gefährlich sind

    OIDC-Tokens gelten inzwischen als moderner Ersatz für statische API-Keys in CI/CD-Systemen. Sie bestätigen gegenüber Cloud-Diensten oder APIs: „Dieser Workflow läuft gerade legitim innerhalb dieses Repositories."

    Wird ein solches Token gestohlen, kann sich ein Angreifer gegenüber GitHub oder anderen Diensten als offizieller Workflow ausgeben. Im schlimmsten Fall:

    • Schadcode in Repositories pushen
    • Workflows manipulieren
    • Secrets austauschen
    • Releases kompromittieren
    • Backdoors verteilen
    • Cloud-Ressourcen übernehmen
    ▲ Besonders kritisch: Die Claude-Code-Action selbst läuft mit derselben Infrastruktur. Ein erfolgreicher Angriff auf das Hauptrepository hätte theoretisch tausende nachgelagerte Projekte kompromittiert – ein klassischer Supply-Chain-Angriff.
    Supply-Chain Blast Radius

    Ein Repo. Tausende abhängige Projekte.

    Die Action anthropics/claude-code-action wird in tausenden GitHub-Workflows referenziert – inklusive bei Anthropic selbst. Eine erfolgreiche Kompromittierung würde sich kaskadenartig über die gesamte Lieferkette ausbreiten.

    anthropics/claude-code-action
    dependent repos
    ~ 3 800+

    Das Problem ist größer als nur Anthropic

    Sicherheitsforscher betonen, dass dieses Muster bei vielen KI-Agenten auftaucht. Betroffen sind nicht nur Claude-basierte Systeme, sondern auch andere agentische GitHub-Workflows.

    Risikofaktoren
    • ▸ KI-Agenten mit Shell-Zugriff
    • ▸ Automatische PR-/Issue-Verarbeitung
    • ▸ Zugriff auf Secrets
    • ▸ Keine Trennung externer Eingaben
    • ▸ Automatische Tool-Nutzung
    arXiv-Studien 2026

    Forscher identifizieren hunderte reale „Agentic Workflow Injection"-Schwachstellen in produktiven GitHub-Repositories – und tausende potenziell kompromittierbare Workflows.

    Bereits echte Supply-Chain-Angriffe beobachtet

    Die Gefahr ist längst nicht mehr theoretisch. Laut mehreren Berichten kam es bereits zu realen Angriffen gegen KI-gestützte GitHub-Workflows. Unter anderem wurde über kompromittierte npm-Pakete berichtet, nachdem Angreifer Prompt-Injection-Techniken gegen automatisierte Review-Systeme eingesetzt hatten.

    Eine neue Ära von Angriffen beginnt: Nicht mehr nur Menschen programmieren Schadcode – sondern KI-Agenten werden manipuliert, ihn selbst auszuführen.

    Anthropic reagiert schnell

    Anthropic reagierte laut Berichten innerhalb weniger Tage nach der Meldung und veröffentlichte mehrere Sicherheitsupdates:

    • Bot-Accounts triggern Workflows nicht mehr automatisch
    • Zusätzliche Validierungen bei GitHub-Apps
    • Härtere Rechtekontrollen
    • Schutzmaßnahmen gegen Prompt Injection

    Die Fixes wurden ab Version claude-code-action v1.0.94 integriert.

    Empfehlungen für Unternehmen

    LLMs interpretieren Kontext probabilistisch. Sie unterscheiden nicht zuverlässig zwischen echten Arbeitsanweisungen, manipulierten Kommentaren, eingebetteten Angriffsanweisungen und „harmlos" wirkenden Texten. Sobald eine KI Zugriff auf Tools, Shells oder Tokens besitzt, wird jede Prompt Injection potenziell zu Remote Code Execution.

    OP Order · GitHub-Actions-Hardening

    8-Punkte-Briefing für KI-Workflows

    GH-01
    Least Privilege Tokens

    GITHUB_TOKEN-Permissions pro Job auf das Nötigste reduzieren (read-only wo möglich).

    GH-02
    Externe Issues isolieren

    PRs und Issues externer Accounts in eine separate, sandboxed Pipeline routen.

    GH-03
    Keine Secrets in Agent-Jobs

    Agentic-Workflows niemals direkten Zugriff auf produktive Secrets gewähren.

    GH-04
    KI-Output validieren

    Vorschläge der KI vor Merge/Deploy menschlich review-pflichtig machen.

    GH-05
    OIDC-Scopes minimieren

    audience, sub und permitted_repositories streng begrenzen – keine *-Scopes.

    GH-06
    Branch- & Tag-Schutz

    Required Reviews, signierte Commits, geschützte Tags – auch für Bot-Accounts.

    GH-07
    Actions-Audit

    GitHub Actions regelmäßig auditieren, Pin auf SHA statt @v1.

    GH-08
    Bot-Trust deaktivieren

    Automatisches Vertrauen für *[bot]-Accounts abschalten – jeder Trigger explizit freigeben.

    ▲ Agentische Workflows sind keine Automatisierungen – sie sind produktive Server. Behandle sie auch so.

    Fazit

    Der Vorfall rund um Claude Code zeigt deutlich, wie gefährlich die Kombination aus KI-Agenten, GitHub-Automatisierung und weitreichenden Berechtigungen geworden ist. Ein einzelnes manipuliertes GitHub-Issue hätte theoretisch ausgereicht, um ganze Software-Lieferketten zu kompromittieren.

    Während Unternehmen KI immer tiefer in Entwicklungsprozesse integrieren, entsteht eine völlig neue Angriffsklasse: Nicht mehr der Entwickler wird direkt angegriffen – sondern die KI, die für ihn arbeitet.

    KI-Workflows sicher betreiben?

    Wasacon prüft Ihre GitHub-Actions und KI-Pipelines, härtet Token-Scopes, OIDC und Branch-Protection – und richtet ein Monitoring ein, das Prompt-Injection-Versuche sichtbar macht.

    Häufige Fragen

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    Wasa Consult, Data Recovery Service, Heinsberg, Nordrhein-Westfalen