Sicherheitsforscher von GMO Flatt Security deckten eine schwerwiegende Lücke in den GitHub-Workflows von Anthropic auf: Ein präpariertes Issue hätte gereicht, um komplette Repositories zu übernehmen – inklusive Anthropic-eigener Infrastruktur. Eine neue Klasse von Supply-Chain-Angriffen ist Realität.

Mit der GitHub-Integration von Claude Code können Entwickler KI-Agenten direkt in ihre CI/CD-Pipelines einbinden. Die KI analysiert Pull Requests, kommentiert Code, erstellt Änderungen automatisch oder verarbeitet Issues per @claude-Mention. Das System läuft direkt in GitHub Actions und erhält dafür weitreichende Rechte im Repository.
Standardmäßig besitzt der Workflow häufig:
Der Forscher RyotaK von GMO Flatt Security entdeckte, dass Angreifer die Rechteprüfung der GitHub Action umgehen konnten. Das Problem lag in der Behandlung von Bot-Accounts.
Die Action vertraute standardmäßig jedem Benutzer, dessen Name auf [bot] endete. Die Annahme: GitHub-Apps seien vertrauenswürdig. Das Problem: Jeder Angreifer kann selbst eine GitHub-App registrieren und damit scheinbar legitime Bot-Accounts erzeugen.
Damit konnte ein Angreifer ein präpariertes GitHub-Issue erstellen, das anschließend automatisch von Claude verarbeitet wurde.
Besonders gefährlich war die sogenannte Indirect Prompt Injection. Dabei versteckt der Angreifer manipulierte Anweisungen innerhalb normal wirkender Inhalte. Die KI interpretiert diese Inhalte dann nicht mehr nur als Text – sondern als Handlungsanweisung.
Im konkreten Fall sah das Issue wie eine Fehlermeldung oder Recovery-Anweisung aus. Claude wurde dadurch gebracht:
Der entscheidende Punkt: In GitHub Actions liegen häufig OIDC-Credentials und temporäre Tokens in den Environment-Variablen. Genau diese Daten wurden exfiltriert.
OIDC-Tokens gelten inzwischen als moderner Ersatz für statische API-Keys in CI/CD-Systemen. Sie bestätigen gegenüber Cloud-Diensten oder APIs: „Dieser Workflow läuft gerade legitim innerhalb dieses Repositories."
Wird ein solches Token gestohlen, kann sich ein Angreifer gegenüber GitHub oder anderen Diensten als offizieller Workflow ausgeben. Im schlimmsten Fall:
Die Action anthropics/claude-code-action wird in tausenden GitHub-Workflows referenziert – inklusive bei Anthropic selbst. Eine erfolgreiche Kompromittierung würde sich kaskadenartig über die gesamte Lieferkette ausbreiten.
Sicherheitsforscher betonen, dass dieses Muster bei vielen KI-Agenten auftaucht. Betroffen sind nicht nur Claude-basierte Systeme, sondern auch andere agentische GitHub-Workflows.
Forscher identifizieren hunderte reale „Agentic Workflow Injection"-Schwachstellen in produktiven GitHub-Repositories – und tausende potenziell kompromittierbare Workflows.
Die Gefahr ist längst nicht mehr theoretisch. Laut mehreren Berichten kam es bereits zu realen Angriffen gegen KI-gestützte GitHub-Workflows. Unter anderem wurde über kompromittierte npm-Pakete berichtet, nachdem Angreifer Prompt-Injection-Techniken gegen automatisierte Review-Systeme eingesetzt hatten.
Anthropic reagierte laut Berichten innerhalb weniger Tage nach der Meldung und veröffentlichte mehrere Sicherheitsupdates:
Die Fixes wurden ab Version claude-code-action v1.0.94 integriert.
LLMs interpretieren Kontext probabilistisch. Sie unterscheiden nicht zuverlässig zwischen echten Arbeitsanweisungen, manipulierten Kommentaren, eingebetteten Angriffsanweisungen und „harmlos" wirkenden Texten. Sobald eine KI Zugriff auf Tools, Shells oder Tokens besitzt, wird jede Prompt Injection potenziell zu Remote Code Execution.
GITHUB_TOKEN-Permissions pro Job auf das Nötigste reduzieren (read-only wo möglich).
PRs und Issues externer Accounts in eine separate, sandboxed Pipeline routen.
Agentic-Workflows niemals direkten Zugriff auf produktive Secrets gewähren.
Vorschläge der KI vor Merge/Deploy menschlich review-pflichtig machen.
audience, sub und permitted_repositories streng begrenzen – keine *-Scopes.
Required Reviews, signierte Commits, geschützte Tags – auch für Bot-Accounts.
GitHub Actions regelmäßig auditieren, Pin auf SHA statt @v1.
Automatisches Vertrauen für *[bot]-Accounts abschalten – jeder Trigger explizit freigeben.
Der Vorfall rund um Claude Code zeigt deutlich, wie gefährlich die Kombination aus KI-Agenten, GitHub-Automatisierung und weitreichenden Berechtigungen geworden ist. Ein einzelnes manipuliertes GitHub-Issue hätte theoretisch ausgereicht, um ganze Software-Lieferketten zu kompromittieren.
Während Unternehmen KI immer tiefer in Entwicklungsprozesse integrieren, entsteht eine völlig neue Angriffsklasse: Nicht mehr der Entwickler wird direkt angegriffen – sondern die KI, die für ihn arbeitet.
Wasacon prüft Ihre GitHub-Actions und KI-Pipelines, härtet Token-Scopes, OIDC und Branch-Protection – und richtet ein Monitoring ein, das Prompt-Injection-Versuche sichtbar macht.
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