Die Ransomware-Gruppe SafePay führt landesmuseum.de auf ihrer Leak-Seite. Hinter der Domain steht das Badische Landesmuseum in Karlsruhe – 500.000+ Objekte, 173 Beschäftigte, 9 Standorte. Eine offizielle Bestätigung des Museums liegt bislang nicht vor.

Am Abend des 27. Juli 2026 tauchte die Domain landesmuseum.de auf der Darknet-Leak-Seite der Ransomware-Gruppe SafePay auf. Hinter der Domain steht das Badische Landesmuseum in Karlsruhe – eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg mit mehr als 500.000 Sammlungsobjekten, 173 Beschäftigten und neun Standorten.
Belegt ist ausschließlich der Eintrag mit dem Firmennamen. Es gibt keine öffentliche Datenprobe, keine bekannte Datenmenge, keine Lösegeldsumme und keine offizielle Stellungnahme des Museums. Für eine Einrichtung dieser Größe wäre ein Cybersicherheitsbudget von 250.000–500.000 € pro Jahr plus 150.000–350.000 € einmalige Modernisierung branchenüblich.
Quellen: Öffentliche Angaben Badisches Landesmuseum / Land Baden-Württemberg (Stand 31.12.2023) sowie Ransomware-Tracker (SafePay-Leak-Seite, öffentliche Beobachtung 27.07.2026).

Die Infografik fasst die aus öffentlichen Quellen bekannten Kennzahlen zum Badischen Landesmuseum sowie einen branchenüblichen Budget-Korridor für eine Kultureinrichtung dieser Größenordnung zusammen. Alle Angaben zum mutmaßlichen Cyberangriff sind unbestätigt.
| Aussage | Status |
|---|---|
| landesmuseum.de auf SafePay-Leak-Seite gelistet | belegt (27.07.2026) |
| Datenmenge / Datenarten | nicht öffentlich (unbekannt) |
| Beispieldateien / Datenprobe | keine erkennbar |
| Lösegeldforderung | nicht öffentlich |
| Verschlüsselung bestätigt | nein |
| Datenabfluss bestätigt | nein |
| Angriffsmethode | unbekannt |
| Website erreichbar | ja (Stand Redaktionsschluss) |
| Öffentliche Stellungnahme des Museums | keine |
| Bestätigung durch Behörden / zweite Quelle | nicht bekannt |
Eine Erwähnung auf einer Leak-Seite ist zunächst nur eine Behauptung der Täter, kein Beleg für einen erfolgreichen Angriff oder Datenabfluss. Vor einer abschließenden Bewertung sollte das Museum Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.
Das Badische Landesmuseum ist das große kulturhistorische Museum für den badischen Landesteil. Es sammelt, erforscht, bewahrt und vermittelt Zeugnisse aus rund 50.000 Jahren internationaler Kulturgeschichte: archäologische Funde, antike Objekte, Kunst- und Alltagsgegenstände, Zeugnisse der badischen Landesgeschichte sowie international bedeutende Sammlungen wie die Karlsruher Türkenbeute.
Neben dem Hauptsitz im Karlsruher Schloss gehören acht weitere Museen und Archive von Bruchsal bis Salem am Bodensee zur Organisation – darunter das Museum beim Markt, das Deutsche Musikautomaten-Museum in Bruchsal und das Keramikmuseum Staufen. Der Hauptsitz ist seit 29. September 2025 wegen Generalsanierung geschlossen. Rund 17.500 ausgestellte Objekte müssen dokumentiert, gesichert und verpackt werden; etwa 350 Dauerleihgaben wurden zurückgegeben.
Umzugs-Objekte in Tausend (17,5k), Besucher 2023 und Objekte auf Tausend gerundet. Quelle: Badisches Landesmuseum / Land Baden-Württemberg.
SafePay ist seit Ende 2024 als Ransomware-Gruppe bekannt. Sicherheitsforscher beschreiben sie als vergleichsweise geschlossen operierende Struktur, die nicht wie viele Konkurrenten offen mit Partnern im Ransomware-as-a-Service-Modell arbeitet. Die Gruppe setzt auf doppelte Erpressung: Daten werden kopiert, Systeme verschlüsselt, danach wird mit Veröffentlichung gedroht. Beobachtete Angriffe begannen unter anderem mit kompromittierten Zugangsdaten für VPN- oder RDP-Systeme; teilweise vergingen weniger als 24 Stunden zwischen Erstzugriff und Verschlüsselung.
SafePay war bereits 2025 auffällig stark gegen deutsche Organisationen aktiv. Check Point ordnete der Gruppe im ersten Quartal 2025 rund 24 % der öffentlich gemeldeten deutschen Ransomware-Opfer zu.
Quellen: Check Point (Q1/2025 Regional Ransomware Report), Huntress, Bitdefender, Blackpoint Cyber, öffentliche Leak-Site-Auswertungen.
Ohne Stellungnahme des Museums darf nicht behauptet werden, bestimmte Daten seien tatsächlich entwendet worden. Die öffentlich erkennbare Organisationsstruktur zeigt jedoch, welche Bereiche bei einem schwerwiegenden Angriff grundsätzlich untersucht werden müssten:
Mitarbeiter-, Bewerber-, Gehalts- und Kontaktdaten
Rechnungen, Verträge, Bankverbindungen, Lieferanteninfos
Standorte, Zustände, Leihgeber, Transport- und Versicherungsdaten
E-Mails, Newsletter, Presseverteiler, Kontaktformulare
Bildarchive, Forschungsdaten, Dokumentationen, Provenienzunterlagen
Besonders sensibel wären erbeutete E-Mail-, Rechnungs- oder Leihdaten: Kriminelle könnten daraus täuschend echte Nachrichten, gefälschte Bankverbindungen oder Betrugsanweisungen erstellen. Partner und Leihgeber sollten Änderungen von Kontodaten immer über einen zweiten, bereits bekannten Kanal bestätigen. Grundlage: BSI-Top-10 Ransomware-Maßnahmen.
Bei einem Museum geht es nicht nur um klassische Büro-IT. Digitale Inventare dokumentieren Herkunft, Zustand, Lagerort und wissenschaftliche Einordnung teilweise unersetzlicher Kulturgüter. Hinzu kommen Bildarchive, Forschungsdaten, Provenienzunterlagen, Restaurierungsdokumentationen und Informationen über nationale und internationale Leihgaben.
Während der laufenden Sanierung besitzt die Verfügbarkeit verlässlicher Daten zusätzliche Bedeutung. Tausende Objekte werden bewegt, inventarisiert, verpackt oder ausgeliehen. Ein Ausfall von Dokumentations-, Kommunikations- oder Logistiksystemen könnte deshalb nicht nur die Verwaltung, sondern auch Transport- und Restaurierungsabläufe beeinträchtigen. Diese besondere Situation ergibt sich aus den derzeit laufenden Arbeiten, ist aber kein Hinweis darauf, dass entsprechende Systeme tatsächlich betroffen sind.
SafePay hat Ordner kopiert, aber nichts verschlüsselt. Museumsbetrieb läuft, interne Prüfung.
Einzelne Fileserver, Verwaltung oder Mail betroffen. Ausstellungsbetrieb an den Standorten weitgehend erhalten.
ERP, Inventar, E-Mail und Logistiksysteme betroffen – besonders kritisch während der Schloss-Sanierung.
Eintrag beruht auf veralteten, fremden oder falsch zugeordneten Daten – kommt bei SafePay vereinzelt vor.
Welches Szenario zutrifft, lässt sich derzeit nicht öffentlich bestimmen.
Für das Badische Landesmuseum ist der Angriffsweg unbekannt. Die folgenden Methoden stammen aus anderen untersuchten SafePay-Fällen und sind keine Aussage über den aktuellen Vorgang.
Wiederverwendete Passwörter, Info-Stealer-Logs, Credential-Stuffing – häufigster SafePay-Einstieg.
Offen erreichbare VPN- oder RDP-Gateways bleiben ein Standard-Türöffner in öffentlichen Netzen.
Firewall-, VPN- und Mail-Gateways mit bekannten CVEs sind bevorzugte Ziele.
Kompromittierte Dritt-Provider (Website-Betreuung, Ticketing, Shop) sind ein häufiger Umweg.
PsExec, SMB-Freigaben, Bordmittel – oft ohne EDR-Erkennung im öffentlichen Bereich.
WinRAR + Rclone/FileZilla zu Cloud-Speichern, danach Verschlüsselung und Löschung der Schattenkopien.
Ohne Kenntnis über Infrastruktur, bestehende Verträge und Schutzmaßnahmen lässt sich nicht beurteilen, wie viel das Museum tatsächlich investiert hat oder ob organisatorische Fehler vorlagen. Eine seriöse Kalkulation kann daher nur einen Größenkorridor liefern.
Für eine öffentliche Einrichtung mit 173 Beschäftigten, mehreren Standorten, digitalen Sammlungen, Webanwendungen und besonders schützenswerten Kulturgutdaten wäre ein laufendes Cybersicherheitsbudget von rund 250.000–500.000 € pro Jahr plausibel. Hinzu kämen je nach Ausgangslage einmalige Modernisierungskosten von etwa 150.000–350.000 €.
| Schutzbereich | Einführung | Jahresbetrieb |
|---|---|---|
| Endpoint-Schutz & betreute Angriffserkennung | — | 40.000–90.000 € |
| Zentrales Logging, SIEM und SOC-Überwachung | — | 60.000–140.000 € |
| MFA, Identitätsmanagement & Admin-Schutz | 20.000–60.000 € | — |
| Unveränderbare Offline-/Cloud-Backups | 40.000–100.000 € | — |
| Netzwerksegmentierung & sichere Standortkopplung | 60.000–160.000 € | — |
| Schwachstellenmanagement & externe Prüfungen | — | 25.000–60.000 € |
| Notfallübungen & Incident-Response-Vertrag | — | 30.000–70.000 € |
| Mitarbeiterschulungen & Phishing-Simulationen | — | 8.000–20.000 € |
| Gesamt | 150.000–350.000 € einmalig | 250.000–500.000 € / Jahr |
Modellrechnung – keine Aussage darüber, was das Museum tatsächlich investiert hat. Selbst gut geschützte Einrichtungen können erfolgreich angegriffen werden.
Geschätzte Risikoreduktion einzelner Maßnahmen gegen SafePay-typische Angriffsketten – auf Basis dokumentierter Incident-Response-Erfahrungen im deutschen Mittelstand und in öffentlichen Einrichtungen. Kein Ersatz für eine individuelle Risikoanalyse.
Keine vorschnelle Neuinstallation. Protokolle, RAM- und Datenträgerabbilder sichern.
Sperrung und Rotation aller Admin-, VPN- und M365-Konten. Prüfung auf ungewöhnliche Anmeldungen.
Verdächtige Server, Endgeräte und Fernwartungen aus Produktivnetz nehmen.
Backup-Ziel vom Produktivnetz trennen, Rücksicherung testen, Historie prüfen.
Inventar-, Transport- und Versicherungsdaten während der Schloss-Sanierung besonders schützen.
Interne + externe Kommunikation für Beschäftigte, Leihgeber, Versicherer, Landesregierung, Aufsicht.
Datenschutz: Die 72-Stunden-Frist nach Art. 33 DSGVO beginnt nicht mit dem Leak-Eintrag, sondern mit Kenntnis einer tatsächlichen Schutzverletzung. Bei hohem Risiko zusätzlich Art. 34 DSGVO.
Museen sind für Ransomware-Gruppen attraktive Ziele: wertvolle Daten, einzigartige Sammlungen, viele Systeme, oft historisch gewachsene Netze mit Alt- und Speziallösungen. Öffentliche Einrichtungen tragen zusätzlich die Verantwortung, Kulturgüter dauerhaft zugänglich zu halten – ein IT-Ausfall bedeutet nicht nur Bürokosten, sondern potenziellen Vertrauensverlust in eine Institution des Landes.
Konkret heißt das: phishingresistente MFA, Admin-Trennung und Härtung von Microsoft 365, unveränderbare Backups mit echten Rücksicherungstests und ein betreuter IT-Betrieb mit 24/7-MDR, Patch- und Änderungsmanagement.
Die SafePay-Listung des Badischen Landesmuseums ist ernst zu nehmen – insbesondere wegen Sammlungsgröße, mehreren Standorten, laufender Sanierungslogistik und umfangreichen digitalen Angeboten. Derzeit handelt es sich jedoch weiterhin um eine unbestätigte Täterbehauptung.
Für eine abschließende Bewertung fehlen entscheidende Informationen: Wurden tatsächlich Daten kopiert? Sind interne Systeme ausgefallen? Waren personenbezogene Daten betroffen? Wurde die Datenschutzaufsicht oder das LKA informiert? Und betrifft der Vorfall das Museum selbst oder einen externen Dienstleister? Bis diese Fragen offiziell beantwortet sind, muss redaktionell konsequent von einer behaupteten Kompromittierung beziehungsweise SafePay-Listung gesprochen werden – nicht von einem zweifelsfrei bestätigten Datenleck.
Stand: 28. Juli 2026. Sämtliche Angaben der Täterseite sind unbestätigt. Kontakt Badisches Landesmuseum: Schlossbezirk 10, 76131 Karlsruhe · Tel. +49 721 926-6514 · [email protected].
Transparenzhinweis
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie auf Angaben einer Darknet-Leak-Seite. Die dort veröffentlichten Behauptungen konnten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifiziert werden. Die Erwähnung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass ein erfolgreicher Cyberangriff oder Datenabfluss stattgefunden hat.
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