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    IT-Sicherheit · Bluetooth-Schwachstelle

    Sony, Bose, JBL & Co. betroffen: Kritische Bluetooth-Lücke macht Kopfhörer zum Einfallstor

    Sicherheitsforscher von ERNW haben in den weit verbreiteten Airoha-Bluetooth-Chips drei kritische Schwachstellen gefunden. Millionen Premium-Kopfhörer und Earbuds großer Marken sind potenziell betroffen.

    22.06.20268 min Lesezeit

    Worum geht es?

    Bluetooth-Kopfhörer gelten für viele als harmlose Alltagsgeräte. Doch genau diese Geräte stehen jetzt im Fokus einer Sicherheitswarnung, die weitreichender ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Forscher von ERNW (Dennis Heinze, Frieder Steinmetz) haben mehrere kritische Schwachstellen in Bluetooth-Chips des Herstellers Airoha aufgedeckt. Diese Chips stecken in zahlreichen Premium-Kopfhörern und Earbuds – betroffen sind unter anderem Modelle von Sony, JBL, Marshall, Bose, Jabra, Beyerdynamic und Beats.

    Wichtig: Der Angriff erfordert Bluetooth-Reichweite (~10 m). Es handelt sich nicht um einen Internet-Massenangriff – aber in Flughäfen, Bahnhöfen, Großraumbüros und Hotels ist das Szenario sehr real.

    Die Gefahr steckt tief im Chip

    Im Zentrum des Problems steht eine versteckte Wartungsschnittstelle namens „RACE". Ursprünglich für Diagnose-, Entwicklungs- und Servicezwecke gedacht, war sie über Bluetooth erreichbar – und in vielen Geräten nicht ausreichend abgesichert. Angreifer können dadurch auf Funktionen zugreifen, die niemals für normale Nutzer bestimmt waren.

    Internen Speicher auslesen
    Konfiguration, Logs, gespeicherte Geräteinformationen.
    Pairing-Schlüssel stehlen
    Long-Term-Keys aus dem Bluetooth-Pairing kopieren.
    Flash lesen & schreiben
    Persistente Manipulation der Firmware möglich.
    RAM manipulieren
    Live-Manipulation des Bluetooth-Stacks im Betrieb.
    Geräte imitieren
    Sich als legitimes Headset gegenüber dem Phone ausgeben.
    Verbindungen übernehmen
    Bestehende Bluetooth-Sessions hijacken.

    Die drei CVEs im Überblick

    CVE-2025-20700
    CVSS 8.8

    Fehlende Authentifizierung im RACE-Service

    CVE-2025-20701
    CVSS 8.6

    Bluetooth-Pairing ohne Nutzerzustimmung

    CVE-2025-20702
    CVSS 7.4

    Kritische RACE-Funktionen unzureichend abgesichert

    Betroffene Geräte

    Diese Modelle wurden von ERNW direkt geprüft oder verwenden nachweislich denselben Airoha-Chipsatz. Die tatsächliche Zahl betroffener Geräte dürfte deutlich höher liegen, da viele OEMs dieselbe Hardware einsetzen.

    Sony WH-1000XM5 (symbolisch)
    Over-Ear
    Sony
    WH-1000XM5
    Patch verfügbar
    Sony WH-1000XM6 (symbolisch)
    Over-Ear
    Sony
    WH-1000XM6
    Patch verfügbar
    Sony WF-1000XM5 (symbolisch)
    True Wireless
    Sony
    WF-1000XM5
    Patch verfügbar
    Bose QuietComfort Earbuds (symbolisch)
    True Wireless
    Bose
    QuietComfort Earbuds
    Status unklar
    JBL Live Buds 3 (symbolisch)
    True Wireless
    JBL
    Live Buds 3
    Patch ausstehend
    JBL Endurance Race 2 (symbolisch)
    Sport TWS
    JBL
    Endurance Race 2
    Patch ausstehend
    Marshall Major V (symbolisch)
    On-Ear
    Marshall
    Major V
    Patch verfügbar
    Marshall Minor IV (symbolisch)
    True Wireless
    Marshall
    Minor IV
    Patch verfügbar
    Marshall Motif II ANC (symbolisch)
    True Wireless
    Marshall
    Motif II ANC
    Patch verfügbar
    Jabra Elite 8 Active (symbolisch)
    Sport TWS
    Jabra
    Elite 8 Active
    Patch ausstehend
    Beyerdynamic Amiron 300 (symbolisch)
    True Wireless
    Beyerdynamic
    Amiron 300
    Status unklar
    Beats diverse Modelle (symbolisch)
    Diverse
    Beats
    diverse Modelle
    Status unklar

    Produktbilder sind symbolische, KI-generierte Darstellungen – keine echten Hersteller-Pressefotos. Liste basiert auf ERNW/insinuator.net & media.ccc.de. Patch-Status laut Hersteller-Aussagen Stand 06/2026 – ohne Gewähr.

    Was kann ein Angreifer damit machen?

    Mikrofon missbrauchen
    Headset-Mic für Lauschangriffe aktivieren.
    Gespräche abhören
    Aktive Telefonate über das Headset mitschneiden.
    Anrufe initiieren
    Headset-Befehle senden, Premium-Nummern wählen lassen.
    Pairing-Keys exfiltrieren
    Vertrauen zwischen Phone und Headset brechen.
    Sprachassistenten triggern
    Siri/Google Assistant heimlich ansprechen.
    Sprungbrett aufs Phone
    Headset als Zwischenstation für Folgeangriffe nutzen.

    Die Forscher demonstrierten sogar Szenarien, in denen kompromittierte Kopfhörer als Sprungbrett genutzt werden, um anschließend das gekoppelte Smartphone anzugreifen.

    Realistische Angriffsorte

    Für einen erfolgreichen Angriff muss sich der Täter in Bluetooth-Reichweite befinden – typischerweise rund 10 Meter. Die Schwachstelle eignet sich daher nicht für Massenangriffe über das Internet, aber überall dort, wo viele Menschen mit Bluetooth-Headsets unterwegs sind, könnten Angreifer gezielt nach verwundbaren Geräten suchen.

    Warum hat der Patch so lange gedauert?

    Airoha stellte Sicherheitsupdates bereits im Juni 2025 für seine OEM-Kunden bereit. Anschließend mussten die Hersteller die Updates selbst integrieren, testen und über ihre Apps verteilen. Manche Geräte wurden schnell gepatcht, andere Hersteller brauchten fast ein Jahr – ein bekanntes Problem der IoT- und Consumer-Elektronik:

    Airoha
    Patch verfügbar (06/2025)
    OEM-Hersteller
    Sony, Bose, JBL, Marshall …
    Endgerät
    Update via Hersteller-App
    Der Chip-Hersteller liefert den Fix. Der Endkunde bekommt ihn oft erst Monate später – wenn überhaupt.

    Was Nutzer jetzt tun sollten

    Firmware aktualisieren
    Hersteller-App öffnen und alle verfügbaren Updates installieren.
    Bluetooth bewusst nutzen
    In Flughäfen, Bahnhöfen, Konferenzen nur einschalten, wenn nötig.
    Alte Geräte prüfen
    Modelle ohne aktive App-Pflege auf Aktualität checken.
    Pairing-Liste bereinigen
    Nicht mehr genutzte Geräte aus dem Bluetooth-Menü löschen.
    Sensitive Calls kabelgebunden
    Vertrauliche Gespräche im Zweifel über Kabel-Headset führen.

    Wasacon-Perspektive

    Moderne Bluetooth-Kopfhörer sind faktisch kleine Computer – mit Mikrofon, Speicher, Firmware, Bluetooth-Stack, App-Anbindung und Sprachassistent. Genau wie bei Routern, NAS-Systemen oder Smart-TVs gilt: jede Software enthält potenzielle Schwachstellen. Für Unternehmen im Kreis Heinsberg heißt das: Headsets gehören mittlerweile ins IT-Inventar – mit Patch-Management, klaren Nutzungsregeln und einer EDR/MDR-Lösung, die seitwärts laufende Angriffe vom Smartphone aufs Firmen-Netz frühzeitig stoppt.

    Häufige Fragen

    Headsets & IoT in Ihrem Unternehmen absichern

    Wir prüfen Ihre Endgeräte-Landschaft, etablieren Patch-Management für Headsets, Smartphones und IoT und überwachen Ihr Netz mit 24/7 EDR/XDR – damit ein kompromittierter Kopfhörer kein Sprungbrett ins Firmennetz wird.

    Mehr zu IoT- & Supply-Chain-Risiken

    Weitere Analysen zu Hardware-Lücken, Firmware-Lieferketten und Endgeräte-Sicherheit:

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    Wasa Consult, Data Recovery Service, Heinsberg, Nordrhein-Westfalen