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    Backdoor aktiv · C2 down · Zugriff bleibt
    IT-Sicherheit · Persistence · Living-off-the-Land

    Hacker weg? Zugriff bleibt.

    Ein französischsprachiger Angreifer kompromittiert ein Unternehmen, installiert OpenSSH und Tailscale als zweite Schiene – und behält Zugriff, obwohl sein Havoc-C2 am nächsten Tag offline geht. 18 Tage Funkstille, dann ist er wieder drin.

    17.06.2026 8 min Lesezeit Cato-Networks-Case
    Hacker weg, Zugriff bleibt – Tailscale und OpenSSH als unsichtbare Hintertür, 33 Tage unentdeckt im Netzwerk
    0
    Befehle ausgeführt
    0
    Tage Zugriff
    0
    Tage Funkstille
    Kurzfassung · Stand 17.06.2026

    Wenn der Hacker die Tür verliert, baut er sich eine neue

    Forscher von Cato Networks dokumentieren einen Fall, in dem ein französischsprachiger Angreifer ein kleines Unternehmen aus der Automobilbranche kompromittiert. Nach dem Initial Access werden Keylogger ausgerollt, Mail-, Banking- und Domain-Anmeldedaten abgegriffen.

    Kurz bevor sein Havoc-C2 offline geht, installiert der Angreifer OpenSSH und Tailscale als zweite Persistenzschiene. 18 Tage später wachen die Systeme über das Tailnet wieder auf – der Zugriff lebt weiter. Insgesamt 339 Befehle in 33 Tagen – komplett aus Sicht des Angreifers nachvollziehbar.

    Zeitachse des Angriffs

    Vom ersten Einbruch über die stille Persistenz bis zum Reconnect nach 18 Tagen Funkstille.

    Tag 0
    Initial Access

    Kompromittierung, Keylogger ausgerollt, Mail/Banking/Domain-Creds abgegriffen.

    Tag 0
    Stiller Persistence-Switch

    Kurz vor Abschaltung installiert der Angreifer OpenSSH + Tailscale auf den Opfersystemen.

    Tag 1
    Havoc-C2 verschwindet

    Klassische C2-Erkennung greift – Verbindung zum Command-Server bricht ab.

    Tag 19
    Tailscale-Reconnect

    Nach 18 Tagen Stille wachen die Opfersysteme über das Tailscale-Mesh wieder auf – Angreifer ist drin.

    Wie der Angriff abläuft

    Vier Phasen vom Initial Access bis zum Reconnect – ohne klassische Malware-Signatur.

    STEP 01
    Initial Access

    Einbruch ins Netzwerk eines französischen Automobilzulieferers.

    STEP 02
    Keylogger & Creds

    Mail-, Banking- und Domain-Anmeldedaten werden mitgeschnitten.

    STEP 03
    Persistence via Tailscale + SSH

    Legitime Tools werden zur unsichtbaren Backdoor – WireGuard-Mesh statt C2-Beacon.

    STEP 04
    Reconnect nach 18 Tagen

    C2 ist tot – das Tailscale-Mesh verbindet die Opfer trotzdem zurück zum Angreifer.

    Das unsichtbare Tailnet

    Tailscale baut ein verschlüsseltes WireGuard-Mesh quer durch Firewalls – ohne klassische C2-Signatur. Jeder kompromittierte Host wird zum eigenen Node.

    Tailnet · WireGuard-Mesh · keine klassischen C2-Indikatoren
    ParisBerlinWarsawRomeAthensATTACKER

    Warum dieser Angriff besonders gefährlich ist

    Living-off-the-Land mit Admin-Tools – die zweite Schiene fällt durch alle klassischen Raster.

    Sieht aus wie IT-Admin

    Tailscale und SSH sind Standard-Tools für Fernwartung – Security-Stacks alarmieren nicht.

    Verschlüsselt by Default

    WireGuard-Tunnel sind opak für klassische DPI- und IDS-Regeln.

    Cloud-Control-Plane

    Tailscale-Coordination läuft über *.tailscale.com – kaum eine Firewall blockt das.

    Kein Beacon-Pattern

    Mesh-VPN-Traffic hat keine typische C2-Signatur, also keine Anomalie-Detection.

    Persistenz pro Host

    Jeder kompromittierte Endpunkt ist ein eigener, dauerhafter Tailnet-Node.

    Auch nach C2-Take-down lebt's

    Sinkholing oder Domain-Block des Havoc-C2 hatte null Effekt auf die zweite Schiene.

    339 Befehle · 33 Tage · OpSec-Fehler

    Aus Sicht des Angreifers nachvollziehbar

    Der Täter hinterließ SSH-Schlüssel und eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung in einem öffentlich erreichbaren Speicherbereich. Forscher konnten dadurch 339 ausgeführte Befehle über 33 Tage hinweg rekonstruieren – ungewöhnlich tiefer Einblick in moderne Persistenz-Workflows.

    IoCs – was Incident Response jetzt prüfen muss

    Wer nur den C2 blockt, sieht die zweite Schiene nicht. Diese Checks gehören in jede Post-Incident-Forensik.

    wasacon@ir ~ # persistence-hunt
    $ ps aux | grep -E 'tailscaled|sshd'
    → unbekannte tailscaled-Instanz auf Endpunkten ohne IT-Mandat
    $ ss -tunap | grep -E 'ts.net|tailscale'
    → ausgehende Verbindungen zu *.tailscale.com / *.ts.net
    $ cat /root/.ssh/authorized_keys ~/*/.ssh/authorized_keys
    → frisch hinzugefügte Public Keys ohne Change-Ticket
    $ persistence-checklist:
    [!]Unbekannte VPN-Clients (Tailscale, ZeroTier, Twingate, NetBird, OpenVPN, SoftEther)
    [!]Neu installierte Remote-Management-Software (AnyDesk, TeamViewer, ScreenConnect, Splashtop, Atera)
    [!]Ungewöhnliche oder zusätzliche SSH-Dienste auf untypischen Ports
    [!]Neue lokale Benutzerkonten – besonders mit Admin- oder sudo-Rechten
    [!]Geänderte oder neu erstellte Firewall-Regeln (eingehend wie ausgehend)
    [!]Geplante Tasks, systemd-Units und Autostart-Einträge der letzten 60 Tage
    [!]Ausgehende Verbindungen zu *.tailscale.com, *.ts.net oder unbekannten Cloud-Sync-Diensten
    [!]Neue Einträge in ~/.ssh/authorized_keys und /root/.ssh/authorized_keys

    Häufige Fragen

    Antworten zu Tailscale-Missbrauch, Incident Response und dauerhafter Härtung.

    Verdacht auf Persistenz im Netzwerk?

    Wasacon übernimmt Incident Response, Tool-Inventarisierung und Persistenz-Forensik – inklusive Tailscale-, SSH- und Remote-Management-Hunt. EDR/XDR mit Allow-Listing erlaubter Admin-Tools, 24/7-Monitoring, Outbound-Anomaly-Detection.

    Fazit

    Der aktuelle Fall zeigt, wie professionell selbst vergleichsweise unerfahrene Angreifer mittlerweile vorgehen. Statt sich allein auf klassische Malware zu verlassen, kombinieren sie legitime Admin-Werkzeuge mit bewährten Angriffstechniken und schaffen so persistente Zugänge, die selbst nach dem Abschalten eines C2-Servers bestehen bleiben. Für Unternehmen bedeutet das: Nicht jede Hintertür ist Malware. Nach einem Vorfall muss zusätzlich geprüft werden, welche legitimen Tools – Tailscale, OpenSSH, RMM-Software, Cloud-Tunnel – möglicherweise frisch installiert wurden. Wenn der Hacker die Tür verliert, baut er sich einfach eine neue – und manchmal sieht diese aus wie ganz normale Administrationssoftware.

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    Bekannt aus

    Wasa Consult, Data Recovery Service, Heinsberg, Nordrhein-Westfalen